„Despina Jones & die Fälle der okkulten Bibliothek“
Autor: Tobias Bachman
285 Seiten / ebook
ISBN: 9783862827794
Verlag: Acabus Verlag
[Werbung, da Rezensionsexemplar]

In der Bibliothek für okkulte Fälle ist Despina Jones Ermittlerin der besonderen Art: Als Nekromantin kann sie mit den Geistern Verstorbener reden. Doch auch Tote können launenhafte, eigensinnige Zeugen sein. Bei der Auflösung ihrer Fälle wird sie von einem vielseitigen Team unterstützt, das in der antiquarischen Bibliothek ihres Onkels sitzt.

Ein Priester bittet das Ermittler-Team um Hilfe, als ein Leichnam in einer der ältesten Kirchen Londons entdeckt wird. Der unbekannte Mann wurde wie Christus ans Kreuz genagelt.
Despina tappt im Dunkeln, da der Verstorbene sich selbst für Jesus hält und seiner Wiederauferstehung entgegenfiebert. Bald findet sich das Team in einem Strudel religiöser Denkweisen und Praktiken wieder, der es an die Pforten ihrer persönlichen Hölle bringt.

Ich mag Bibliotheken und ich mag London und ich mag Urban Fantasy. Mit Despina Jones, ihrer Schwester Tori und dem Onkel der beiden, Barbarossa North hat Tobias Bachmann drei sehr liebenswerte Figuren geschaffen, denen man sehr gern durch diese Geschichte folgt. Unterstützt wird das Trio von Despinas bester Freundin Jean.

In einer alten Kirche wird eine Leiche gefunden. Ein älterer Mann war gekreuzigt worden und der Priester der Kirche, Pater Victor holt sich Despina zu Hilfe. Schnell wird klar, dass diese Leiche nichts mit den anderen zu tun hat. In der Vergangenheit hatte es mehrere unerklärliche Fälle von Selbstkreuzigung gegeben, deren Ursache die Polizei auch mit Despinas Hilfe noch nicht auf die Spur gekommen ist.

So folgt man Despina und ihrem Team bei ihren Ermittlungen und trifft daneben noch den örtlichen Pathologen und den ermittelnden Kommissar.

Onkel Barbarossa, von den anderen liebevoll Doc genannt, betreibt ein kleines Geschäft für antiquarische Bücher. Einer seiner Kunden, ein mysteriöser Anrufer, von allen nur der Priester genannt, beauftragt Doc, ein bestimmtes Buch zu finden. Und da kommen wir zum ersten Punkt, über den ich hier gestolpert bin. Der Priester und Pater Victor sind nicht dieselbe Person, da aber Pater Victor immer wieder mal als der Priester betitelt wird, führte das zu ein klein bisschen Verwirrung von meiner Seite.

Die Ermittlungen selbst sind spannend und tragen den Leser bis zum Ende gut durch die Geschichte. Auch die geschaffene Atmosphäre und das Worldbuilding haben mir extrem gut gefallen. Zwei Schwächen hatte das Buch jedoch. Zum einen ist die Sprache sehr ausschweifend, in Dialogen teils etwas gestelzt und Bachmann schiebt immer wieder viel zu viele Infodumps zwischen die Seiten, die mich aus der Geschichte rausgerissen haben. Dabei habe ich persönlich eigentlich so gar nichts gegen Infodumps, nur war das Timing für selbige hier in diesem Buch etwas daneben.

Die zweite Schwäche betrifft zwei Figuren. Einmal Despinas beste Freundin Jean. Jean ist lesbisch und leider wurde sie mir viel zu klischeehaft dargestellt. In Klischees, die ich bei meinen lesbischen Freundinnen so gar nicht wiederfinde. Hinzu kam eine Szene, die ich persönlich als extrem problematisch empfunden habe, als Despina davon schreibt, dass Jean in sie verliebt sei und sich nur an Despina ranmachen würde, wenn Despina zuviel getrunken hätte. Leute, sowas geht einfach nicht. Würde ein sogenannter ‚bester Freund‘ das machen, wäre er kein bester Freund mehr. Echte beste Freunde respektieren Grenzen und vor allem nutzen sie einen in einer hilflosen Situation nicht aus. Oder wenn man angetrunken ist. Das geht in meinen Augen gar nicht, zumal es hier noch dazu in diesem Zusammenhang ein ziemlich falsches Bild homosexueller Menschen zeichnet.

Die zweite Figur ist Trevor Farkas, Handlanger des Priesters und rundherum eine totale Scheißfigur. Er ist der bad guy der Geschichte und mit ihm wurde ich so gar nicht warm. Er vereinte so ungefähr jedes Klischee in sich, das man von Antagonisten hat und das machte ihn als Figur einfach nur unglaubwürdig. Auch sein späterer Sinneswandel kam wenig überzeugend rüber.

Der Epilog am Ende des Buches deutet an, dass es sich bei diesem Buch um den Auftaktband zu einer Reihe handeln könnte. Da darf man definitiv gespannt sein, was da als nächstes kommt.

Trotz der Schwächen hat mir „Despina Jones & die Fälle der okkulten Bibliothek“ recht gut gefallen und ich würde mich über eine Fortsetzung der Geschichte sehr freuen.

Anmerkung: Da es sich bei diesem Buch um ein zur Verfügung gestelltes Rezensionsexemplar handelt, muss ich diesen Beitrag als Werbung kennzeichnen. Ich möchte allerdings versichern, dass die verfasste Rezension meine ehrliche Meinung wiedergibt und nicht von der Tatsache, dass es sich um ein Rezensionsexemplar handelt, beeinflusst wurde. Denn ganz ehrlich, Rezensionen hätten keinen Sinn, wenn sie nicht ehrlich wären. Ich bedanke mich beim Lindwurm Verlag für das Rezensionsexemplar.

3 Kommentare zu „Bachmann, Tobias – Despina Jones & die Fälle der okkulten Bibliothek

  1. Das mit den Infodumps ging mir bei Dan Brown so. Ich erinnere mich daran, dass ich in einem seiner Bücher an einer Stelle dachte: „Hallo, ihr habt jetzt keine Zeit euch über eure Weltanschauungen auszutauschen, da ist ein Mörder unterwegs zu euch, wie ihr ganz genau wisst!“ Haha

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