„Kindred“
Autorin: Octavia E. Butler
10 Stunden 55 Minuten / Hörbuch
Sprache: Englisch
Sprecherin: Kim Staunton
Verlag: Recorded Books

The first science fiction written by a black woman, Kindred has become a cornerstone of black American literature. This combination of slave memoir, fantasy, and historical fiction is a novel of rich literary complexity. Having just celebrated her 26th birthday in 1976 California, Dana, an African-American woman, is suddenly and inexplicably wrenched through time into antebellum Maryland. After saving a drowning white boy there, she finds herself staring into the barrel of a shotgun and is transported back to the present just in time to save her life. During numerous such time-defying episodes with the same young man, she realizes the challenge she’s been given…

Octavia E. Butler gehört im Scifi-Genre zu den ganz großen Namen und es ist eigentlich eine Schande, dass ich solange gebraucht habe, endlich einmal ihr Werk „Kindred“ zu lesen bzw. in diesem Fall anzuhören. Wer des englischen mächtig ist, dem lege ich das englische Hörbuch wärmstens ans Herz. Kim Staunton macht einen absolut brillanten Job. Sie spricht nicht nur Protagonistin Dana einfühlsam und stark sondern verpasst auch allen anderen Figuren eine eigene Persönlichkeit, dass es eine wahre Freude ist. Gepaart mit einem genialen und zum Buch passenden Akzent, der in den Ohren nachklingt, ist dieses Hörbuch ein absoluter Hörgenuss.

Das behandelte Thema hingegen ist alles andere als leicht verdaulich. Dana ist 1976 gerade mal 26 Jahre alt und lebt mit ihrem weißen Mann Kevin zusammen. Unerwartet reist Dana zurück in die Vergangenheit, in ein Maryland vor dem amerikanischen Bürgerkrieg ins Jahr 1815. Dort rettet sie einem kleinen rothaarigen Jungen namens Rufus das Leben. Immer wieder kehrt sie unfreiwillig in diese Vergangenheit zurück und immer damit verknüpft ist die Figur Rufus, der Dana wieder und wieder das Leben rettet. Dabei werden die Aufenthalte in der Vergangenheit immer länger und für die Rückkehr in ihre Zeit muss Danas Leben in Gefahr sein. Einmal reist Kevin mit ihr. Als Dana in ihre Zeit zurückkehrt, sind sie und Kevin getrennt. Während im Jahr 1976 immer nur wenige Stunden oder Tage vergehen, vergehen in der Vergangenheit mehrere Jahre. Jahre, in denen Kevin als moderner weißer Mann in dieser Zeit überleben lernen muss, was ganz eigene Probleme mit sich bringt und eine ganz eigene Herausforderung ist.

Irgendwann wird sich Dana über ihre Verbindung zu Rufus klar, der zusammen mit einer Sklavin den Grundstein für Danas eigene Existenz legen wird. Dabei ist Rufus ein Produkt seiner Zeit, nicht nur im Umgang mit Sklaven sondern auch im Umgang mit Frauen. Es fällt nicht schwer, ihn nicht zu mögen. Es fällt aber dafür schwer, ihn einfach zu verurteilen und abzustempeln.

Das Leben der Sklaven und die damalige Zeit werden von Butler so genau beschrieben, dass man sich selbst mitten drin sieht in der Umgebung und in der Geschichte. Doch auch die Parallelen zur heutigen Zeit, dem immer noch existenten Rassismus und den bitteren Gefühlen, die viele Schwarze Weißen gegenüber hegen, zeichnet Butler sehr deutlich.

Es ist kein leichtes Buch. Viele Stellen sind extrem schwer zu verdauen. Die Grausamkeiten, denen Sklaven damals ausgesetzt waren, sind kaum vorstellbar. Beeindruckend dabei ist Dana als Figur. Eine moderne Frau unserer Zeit, die in eine Welt zurückversetzt wird, wo sie offen nicht mehr als ein Stück Fleisch ist. Ihr Mitgefühl hat mich tief berührt. Ihre Fähigkeit, rational zu bleiben angesichts soviel Ungerechtigkeit und Gewalt, und trotzdem sich selbst zu schützen, Hass und Angst nicht zu erliegen, sind einfach wahnsinnig beeindruckend.

Butler schreibt dieses Buch auf eine wirklich intelligente Art und Weise. So wird dem Leser (bzw. Hörer) erst nach einer Weile klar, dass Dana schwarz und Kevin weiß ist. Sie präsentiert in diesem Buch die verschiedenen Überlebensstrategien, die Schwarze in Zeiten der Sklaverei entwickelt haben, ohne dabei zu werten oder den moralischen Zeigefinger zu erheben. Dabei sind nicht alle Schwarzen gut und nicht alle Weißen schlecht. Als unfreiwilliger Pun wird es in diesem Buch sehr deutlich, dass nichts im Leben schwarz-weiß ist. Und dieser Drahtseilakt gelingt Butler mit Bravour und ist allein deswegen herausragend und wert, dass man dieses Buch liest.

„Kindred“ von Octavia E. Butler ist ein geniales, hoch emotionales und extrem komplexes Werk. Es fällt vielleicht durch das Zeitreisen in das Scifi-Genre, ist aber doch soviel mehr als das und lässt sich nicht so einfach in eine Schublade stecken. Wenn ich ehrlich bin, würde eine Kategorisierung diesem Buch auch in keinster Weise gerecht werden. Absolute Leseempfehlung.

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