„Winter People – Wer die Toten weckt“
Originaltitel: The Winter People
Autorin: Jennifer McMahon
11 Stunden / Hörbuch
Sprecherin: Elisabeth Günther
ISBN Ebook: 9783843707374
Verlag: Hörbuch Hamburg

Durch einen grausamen Mord verliert Sara ihre kleine Tochter Gertie. Ein Brief mit einem uralten Geheimnis hilft ihr, Gertie von den Toten zurückzuholen – für sieben Tage, in denen sie von ihrem geliebten Kind Abschied nehmen kann. Doch sie ahnt nicht, worauf sie sich einlässt. Denn manchmal finden die Toten nicht zurück. Und das Grauen hält Einzug in die Wälder von Vermont … 

Der Tipp für dieses Buch kam von einer lesebegeisterten Freundin und da es vielversprechend klang, war es gleich das nächste, das in meiner Hörbuchapp Einzug hielt. Nach zwei eher enttäuschenden Büchern davor, war es dieses Mal aber endlich mal ein Glücksgriff.

Einfühlsam schafft Sprecherin Elisabeth Günther eine düstere Atmosphäre, die das ganze Buch aufrecht erhalten wird. Dabei wechseln die Kapitel immer zwischen Anfang des 20. Jahrhunderts und Sara und ihrem Mann Martin und der Gegenwart mit der 19jährigen Ruthie und der Künstlerin Katherine.

Mal abgesehen davon, dass die Protagonisten hauptsächlich weiblich sind, sind alle Figuren extrem stark gezeichnet und erwachen vor dem inneren Auge zum Leben.

Insgesamt hatte ich ehrlich auf mehr Horror gehofft, aber die durchweg düstere Grundstimmung hat das sehr gut ausgeglichen und ich war eigentlich von einem Kapitel zum nächsten einfach nur gespannt, wie es weitergeht.

Sara und ihr Mann Martin führen ein einfaches, hartes Leben. Sara hatte ihre Mutter früh verloren und die einzige Frau in ihrer Kindheit war Auntie, eine Indianerin, die Sara in die Geheimnisse und Mythen ihrer Kultur einweihte. Dabei erscheint Auntie als die arme, von den Leuten des Dorfes öffentlich gemiedene Frau, entwickelt sich aber im Laufe der Erzählung von Sara zu einer rachsüchtigen, nachtragenden Person. Sara hatte bereits ein geborenes Kind nach mehreren Fehlgeburten verloren und liebte ihre Tochter Gertie umso mehr. Dabei war besonders der Zwiespalt zwischen Martin und Sara sehr gut dargestellt. Martin, der hart arbeitete, seine Frau und seine Tochter abgöttisch liebte, aber in der Beziehung zwischen seiner Frau und seiner Tochter das fünfte Rad am Wagen zu sein schien. Sehr hart trifft ihn der Tod seiner kleinen Tochter, für Sara jedoch bedeutet es einen unvorstellbaren Weltuntergang. Man begleitet Sara durch die Phasen der Trauer, durch die Wut, den Hass auf die Ungerechtigkeit der Welt, durch den Verlust jeglichen Lebenswillen, während die Menschen um sie herum ein Spiegelbild auch der heutigen Zeit sind, wenn man hilflos daneben steht und einem Menschen in seiner Trauer nicht helfen kann.

In der Gegenwart folgen wir Ruthie, die mit ihrer kleinen Schwester und ihrer Mutter nahe der Felsenformation wohnt, die von allen die Teufelshand genannt wird. Ruthie, die dem Leben ihrer Familie und dem Dorf West Hall unbedingt entfliehen will, entwickelt sich während des Buches vom sturen, widersinnigen Teenager zur verantwortungsbewussten Frau, die lernt, dass die Welt sich nicht nur um sie und ihre Belange dreht. Sie wird regelrecht erwachsen.

Künstlerin Katherine ist neu ins Dorf West Hall gezogen. Nach dem Tod ihres kleinen Sohnes und dem unerwarteten Unfalltod ihres Mannes, folgt sie Spuren und Hinweisen, die Sara, Ruthie und Katherine mit der Teufelshand verbinden und den Leser auf eine Reise in die Vergangenheit und in eine Welt voller Geheimnisse mitnehmen.

Die Aufteilung der Kapitel ist dabei so wohl durchdacht, dass man es eigentlich gar nicht zur Seite legen will.

Wer Kings „Friedhof der Kuscheltiere“ gelesen hat, wird sich von Anfang an denken, dass es keine gute Idee ist, tote Menschen zurückzubringen.

Über ein oder zwei kleinere Ungereimtheiten kann man locker hinwegsehen und auch wenn die Auflösung am Ende nicht ganz so ein großer Knaller ist, wie man sich erhofft, so funktioniert es doch wahnsinnig gut und bringt die Geschichte, zumindest für den Leser zu einem guten Abschluss. Trotz allem fragt man sich aber doch, wie es den Figuren in der Zukunft ergehen wird, denn die Auflösung stellt besonders Ruthie vor eine schwere Entscheidung.

„Winter People“ ist authentisch, mit starken Figuren, einem dunklen Geheimnis und einem Monster, das eigentlich kein Monster ist. Bis zum Ende ist man in der Geschichte gefangen und durch die durchweg düstere Grundstimmung, ist sie das perfekte Buch für dunkle, gemütliche Herbst- und Winterabende. Klare Leseempfehlung.


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