„A Head Full Of Ghosts – Ein Exorzismus“
Originaltitel: A Head Full Of Ghosts
Autor: Paul Tremblay
256 Seiten / eBook
ISBN: 3865526594
Verlag: Festa Verlag 

A Head Full of Ghosts schildert auf mehreren Zeit- und Personenebenen die Erlebnisse der 14-jährigen Marjorie. Als sie Anzeichen einer Geisteskrankheit zeigt, gipfelt die Hilflosigkeit ihrer Familie und der Ärzte in einem Exorzismus, der als Show live im TV ausgeschlachtet wird. Jahre später gibt Merry, die jüngere Schwester von Marjorie, ein Interview und spricht über die tragischen und unheimlichen Geschehnisse, die seither zur urbanen Legende wurden.

Ich muss gestehen, dass ich nicht wusste, was ich eigentlich erwarte, als ich zu „A Head Full Of Ghosts“ griff. Ich hatte es bereits in einigen Ecken des Bloggerverse gesehen und die Meinungen waren sehr positiv. Dass Stephen King himself dann auch noch blurbte, das Buch habe ihn gegruselt, hat mich dann wohl überzeugt.

Leider konnte das Buch aber so gar nicht an meine Gruselerwartungen heranreichen. Wenn ich ehrlich bin gab es eine einzige Szene, bei der ich gespannt darauf wartete, was als nächstes schreckliches passieren wird, aber abgesehen davon empfand ich den Rest des Buches eher sehr vorhersehbar und teils auch langatmig. Irgendwie konnte es mich einfach nicht überzeugen.

Sicherlich, dass hier an einem 14jährigen Mädchen ein Exorzismus vollzogen werden soll, noch dazu vor laufender Kamera, war an sich einfach nur abartig. Es blieb ständig die Frage, ob Marjorie an einer psychischen Erkrankung leidet oder tatsächlich besessen ist. Als Wissenschaftsanhänger und Fan rationaler Erklärungen, tendierte ich eher zu ersterem als zu letzterem. Ich gestehe, ich musste ständig an Susannah Calahans Geschichte „Brain on Fire“ denken, in dem es um eine Autoimmunerkrankung geht, bei der der Körper das Gehirn kaputt macht, und die auch zu Psychosen und Wahnvorstellungen führt. Unbehandelt meines Wissens nach eine tödlich verlaufende Krankheit. Überhaupt frage ich mich immer beim Thema Exorzismus, wieviele Menschen hier aufgrund religiöser Fanatiker leiden und sterben mussten, statt für ihre Erkrankung eine angemessene Behandlung zu erfahren.

Aber nun gut. Merry ist die Erzählerin der Geschichte. Zum Zeitpunkt der Ereignisse ist sie 8 Jahre alt und auch wenn ihr Erwachsenes Ich rückblickend erzählt, so ist mir ihre Sichtweise doch zu erwachsen für ein 8jähriges Mädchen.

Im Grunde genommen ist die Geschichte nicht von Horror oder Grusel geprägt sondern eher von Tragik und Melancholie. Das heißt nicht, dass die Geschichte dadurch schlecht wurde, sondern nur, dass sie etwas anderes lieferte als der Klappentext versprochen hatte.

Was mich am meisten störte, war eigentlich die große Distanz zu den Figuren. Weder zu den Eltern noch zu Marjorie oder Merry fand ich hier Zugang. Ich fand das etwas schade. Die teilweise eingeschobenen Blogposts zum Thema der Geschichte empfand ich persönlich sogar eher als störend.

Der unerwartete Twist am Ende konnte mich dann auch nicht überraschen und ließ mich eher zwiegespalten und unzufrieden zurück.

Paul Tremblays „A Head Full Of Ghosts“ versprach Gruseln vom feinsten, aber erfüllte dieses Versprechen für mich in keinster Weise. Schade, denn an sich hätte die Geschichte recht viel Potential gehabt für so richtig geniale Gruselmomente. Ist sicherlich ein Buch, das jede/r für sich selbst ausprobieren muss. Von mir jedenfalls gibt es keine klare Empfehlung.


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6 Comments on “Tremblay, Paul – A Head Full Of Ghosts – Ein Exorzismus

  1. Huhu Grit!
    Habe gestern nun auch dieses Buch beendet und bin ganz anderer Meinung 😀 Ich mochte das Buch von Anfang bis Ende (gut, die Blogbeiträge fand ich auch etwas nervig, ich mag diese Art zu schreiben aber auch einfach nicht besonders – aber das, was durch diese Beiträge an Informationen fiel, versöhnte mich dann wieder damit). Ich mochte Merry sehr sehr gern und war eigentlich immer wieder aufs neue am Grübeln, ob Marjorie nun wirklich krank war oder nicht (und wenn ja in welchem Maße).
    Das Ende war für mich eine passende Hommage an Shirley Jacksons „Wir haben schon immer im Schloss gelebt“ – stimmig zu all den anderen Gruselklassikern, die im Laufe des Buches angesprochen werden.Wirklich schade, dass die Geschichte für dich so wenig funktioniert hat!

    Liebe Grüße!
    Gabriela

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