„Meine Schwester, die Serienmörderin“
Originaltitel: My Sister, the Serial Killer
Autorin: Oyinkan Braithwaite
226 Seiten / geb. Ausgabe
ISBN: 3351050747
Verlag: Blumenbar

Zwei Schwestern, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Ayoola ist das Lieblingskind, unglaublich schön — und sie hat die Angewohnheit, ihre Männer umzubringen.
Korede ist eher praktisch veranlagt und dafür zuständig hinter ihrer Schwester aufzuräumen: die Krankenschwester kennt die besten Tricks, um Blut zu entfernen, und ihr Kofferraum ist groß genug für eine Leiche. Dann verknallt sich natürlich auch Tade, der hübsche Arzt aus dem Krankenhaus, in Ayoola, der doch eigentlich für Korede bestimmt ist. Jetzt muss die sich fragen, wie gefährlich ihr Schwester wirklich ist — und wen sie hier eigentlich vor wem beschützt.

„Meine Schwester, die Serienmörderin“ ist auch ein NuMaKu-Buch und ich bin froh, dass ich es mitgenommen habe. Die 226 Seiten sind wahnsinnig schnell gelesen, auch sehr großzügig bedruckt, die Kapitel teilweise super kurz. Aber auf diesen wenigen Seiten erzählt Korede von sich, ihrem Leben, ihrer Arbeit und ihrer Schwester Ayoola, die Männer umbringt.

Beide Schwestern sind der Inbegriff totaler Gegensätze. Korede, pragmatisch, ambitioniert und gewissenhaft, die einen schweren Zugang zu ihren eigenen Gefühlen hat und an einer Zwangsstörung leidet. Ayoola, die wunderschön und leicht durchs Leben geht, ohne Gedanken an Konsequenzen und ohne Rücksicht auf andere. Dabei ist Ayoola nicht böswillig. Sie ist einfach nur sehr ignorant, was die Gefühle anderer und ihre eigenen Handlungen angeht. Ich denke auch, dass Ayoola sich ihrer eigenen Schönheit nicht bewusst ist.

Korede ist optisch ihren eigenen Worten nach keine Schönheit, aber Eifersucht auf ihre Schwester spielt hier keine wirkliche Rolle. Vielmehr ist Ayoola der Typ Frau, den man beschützen will und Korede ist die Beschützerin. Das war schon immer so, seit sie klein waren. Der Vater der beiden war ein Frauenjäger und Frauenschläger. Er verprügelte alle nach Lust und Laune. Die Mutter überlebt allein mit pharmazeutischer Hilfe und scheint nur eine sehr untergeordnete Rolle zu spielen.

Und in dieser Welt, die von Männern dominiert wird, wachsen Korede und Ayoola auf. Ganz nebenbei erfährt man mehr über das Leben in Nigeria, über Korruption, Machtmissbrauch, Familienstrukturen.

Ayoola tötet und Korede räumt auf. Ayoola, die es nicht lassen kann und Korede, die in Co-Abhängigkeit ihrer Schwester lebt.

Sehr locker und pragmatisch erzählt Korede, dabei werden die ernsten Töne oftmals in humorvolle Sprüche verpackt, bei denen der Leser nicht anders kann, als zu schmunzeln. Das Buch ist tragisch-komisch. Man fühlt mit Korede und möchte ihr doch am liebsten ständig den Rat geben, sich endlich zu lösen. Aber so einfach ist das nicht. Und am Ende muss sich Korede entscheiden für sich, oder ihre Schwester. So leicht es einem Außenstehenden auch erscheinen mag, zu sagen „Komm, Du hast besseres verdient“, so nachvollziehbar ist es doch, dass man als Mensch oft nicht aus seiner Haut raus kann.

„Meine Schwester, die Serienmörderin“ hat mir wahnsinnig gut gefallen. Morbider Humor gepaart mit viel Gefühl. Klare Leseempfehlung.


Eine Besprechung des Hörbuchs gibt es hier bei Gabriela vom Buchperlenblog

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4 Kommentare zu „[#BLM] Braithwaite, Oyinkan – Meine Schwester, die Serienmörderin

  1. Liebe Grit!
    Wenn ich so deine Besprechung hier lese, kommt mir das grandiose Hörbuch auch direkt wieder in den Sinn. Was für eine tragische, witzige, skurrile Geschichte das doch ist! Und das Cover ist meiner Meinung nach auch immer noch sensationell cool 😄

    Danke dir auch für die Verlinkung!
    Alles Liebe!
    Gabriela

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