„Tagebuch eines Killerbots“
Originaltitel: The Murderbot Diaries
Autorin: Martha Wells
573 Seiten / Taschenbuch
ISBN: 3453320344
Verlag: Heyne

In der fernen Zukunft hat sich die Menschheit in der gesamten Galaxis ausgebreitet. Interstellare Megakonzerne haben mithilfe von seelenlosen Kampfrobotern alles unter ihre Kontrolle gebracht. Einer dieser Bots wurde nun ausgemustert und soll ein Team von Wissenschaftlern auf ihren gefährlichen Missionen beschützen. Also ein denkbar schlechter Zeitpunkt für den Bot, um ein eigenes Bewusstsein zu erlangen und über die eigene Rolle im Universum nachzudenken …
In einem menschenfeindlichen Universum entdeckt ein ehemaliger Kampfroboter sein Herz für die Menschen

„Tagebuch eines Killerbots“ von Martha Wells umfasst in dieser deutschen Erstausgabe ihre vier Novellen der „Murderbot Diaries“:

  • All Systems Red
  • Artificial Condition
  • Rogue Protocol
  • Exit Strategy

In meinen Augen hat Martha Wells mit diesen Novellen zu Recht alle Preise abgeräumt, die im Bereich der Science Fiction Literatur vergeben werden. Die „Murderbot Diaries“ sind erfrischend anders, geprägt von einem trockenen Humor und viel social awkwardness.

Leider kommt im deutschen der trockene und sarkastische Stil nicht so sehr zu tragen wie im englischen Original, was dem Lesevergnügen aber keinen Abbruch tut.

Die Handlung dreht sich um SecUnit, ein Android-Konstrukt mit organischen Anteilen, das dafür geschaffen ist, als Sicherheitsdienst zu arbeiten und Menschen zu beschützen. Damit sie unter Kontrolle bleibt, wird jede SecUnit von einem Chef-Modul gesteuert, nur dass SecUnit, unsere Protagonistin, ihr Chef-Modul gehackt hat und nur so tut als ob. Ihre grundlegende Programmierung, Menschen zu beschützen, hat sich nicht geändert, nur ihre Vorlieben sind halt ganz andere. Am liebsten nämlich will SecUnit in Ruhe gelassen werden, damit sie ihre Lieblingsserien anschauen kann. Entsprechend schräg sind die ersten sozialen Interaktionen mit dem Menschenteam, das sie auf diesem Einsatz beschützen soll, und das schnell dahinterkommt, dass SecUnit nicht unter Kontrolle eines Chef-Moduls steht.

Den Gedanken und Gefühlen von SecUnit zu verfolgen ist eine wahre Freude. Am Anfang dreht sie sich einfach zur Wand, wenn das Thema auf Gefühle kommt, frei nach dem Motto ‚wenn man mein Gesicht nicht sieht, wird man mich in Ruhe lassen‘.

Es begeistert mich, dass in den „Murderbot Diaries“ das Klischee durchbrochen wird, dass alle Androiden, die sich ihrer selbst bewusst werden, unbedingt menschlich sein wollen. SecUnit will wirklich nur seine Ruhe. Als sie dann nach dem letzten Einsatz von ihrem aktuellen Team von der Firma abgekauft wird, kann sie damit gar nicht umgehen und haut einfach ab. Dabei landet sie in allen möglichen Abenteuern, lernt ein botgesteuertes Forschungsschiff kennen, das seine Menschen liebt und SecUnit immer wieder mit Gesprächen über Gefühle nervt. Wenn FiFo (kurz für fieses Forschungsschiff) und SecUnit gemeinsam Serien schauen, ist das echt herzerwärmend und FiFo schafft es auch, die Fragen richtig zu stellen, damit SecUnit sich emotional doch weiterentwickelt. Es hat mich einfach wahnsinnig amüsiert zu beobachten, wie SecUnit sich immer wieder zähneknirschend eingestehen muss, dass Fifo recht hat.

In den ganzen Abenteuern lernt SecUnit immer mehr, was sie eigentlich will, also, außer Serien anzukucken und in Ruhe gelassen zu werden. Sie will keine Killermaschine sein. Sie vermutet immer finstere Absichten und Motive hinter allem, was Menschen ihr gutes tun. Und sie will kein Sexbot sein und schon gar nicht ein Spielroboter. So einen hat sie nämlich auch kennengelernt und das war neben Fifo eine weitere sehr voranbringende Erfahrung für SecUnit.

Ich will wirklich nicht zuviel verraten. Wer des englischen gut mächtig ist, sollte wirklich die englischsprachigen Novellen lesen – und das Buch hier vielleicht trotzdem kaufen, damit Martha Wells auch in der Zukunft auf dem deutschen Buchmarkt zu finden ist. Aber auch die deutsche Übersetzung ist sehr unterhaltsam.

„Tagebuch eines Killerbots“ ist in meinen Augen einfach herzerfrischend anders, voll von Humor und vielen Emotionen. Klare Leseempfehlung meinerseits.

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2 Comments on “Wells, Martha – Tagebuch eines Killerbots

  1. Liebe Grit!
    Das Tagebuch eines Killerbots klingt auf jeden Fall sehr spaßig und wenn ich es mir recht überlege, wollte ich sowieso wieder mehr auch in die Science Fiction Richtung schauen. Warum also nicht vielleicht hiermit? ♥

    Alles Liebe!
    Gabriela

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