„Wasteland“
AutorInnen: Judith & Christian Vogt
400 Seiten / eBook
ISBN: 3426523914
Verlag: Knaur
[Werbung, da Rezensionsexemplar]

Eine Frau mit einem Motorrad – Ein Mann mit einem Baby – Eine Gang mit einem Schaufelradbagger – eine Dystopie mit packendem Endzeit-Setting:
Die alten Regeln gelten nicht mehr, seit drei Kriege und das Wasteland-Virus die Menschheit beinahe ausgelöscht haben. Marodierende Banden beherrschen das Land, und auf dem freien Markt sind Waren nur im Tausch gegen Gefallen zu haben.

Um an Medikamente zu kommen, lässt sich die herumreisende Laylay auf ein Geschäft ein: Weil sie als Einzige immun gegen das Virus ist, soll sie den Marktbewohner Zeeto in der Todeszone aufspüren. Als sie ihn findet, ist er bereits infiziert. Zudem hat er etwas in einer geheimen Bunker-Anlage gefunden: ein Baby.Und obwohl das Virus Laylay nichts anhaben kann, beginnt sie sich zu verändern …
Eine postapokalyptische Utopie auf den Ruinen eines zerstörten Deutschlands.

Puh, das hat jetzt sehr lange gedauert, bis ich das Buch beenden konnte. Es lag lange halb fertig gelesen auf meinem Tolino. Nicht, weil es schlecht war. Nicht, weil es mich langweilte. Nein, es war weder schlecht noch langweilig. Aber es war harter Tobak für mich. Hier ein Hinweis, dass man die Inhaltswarnung am Ende ernst nehmen sollte. Für mich war diese nicht eindringlich genug. Noch nie habe ich es erlebt, dass eine bipolare Erkrankung so eingehend thematisiert wird. So korrekt und ausführlich. In dieser Hinsicht hätte ich mir den Zusatz „explizite Schilderung“ direkt vor „Depression und Bipolarer Neurodivergenz“ gewünscht. So bezog ich ihn nur auf die Schilderung von Sex. Und ich hatte ergo nur Andeutungen erwartet oder Erwähnungen.

Zeetos Kapitel haben mir diesbezüglich sehr zu schaffen gemacht. Zum einen, weil es Gedankengänge gab, die ich selbst nur zu gut kenne, zum anderen, weil Zeetos manische Phasen bei mir unschöne Erinnerungen an eine vergangene Beziehung weckten, die ich zwar verarbeitet habe, die allerdings tiefe Narben hinterlassen hat.

Deswegen brauchte ich bei diesem Buch zwingend Pausen. Lange Pausen. Und auch für die zweite Hälfte musste ich mich manches Mal von dem Blei, das an mir zu hängen schien, befreien und mich aufraffen. Klingt übertrieben, das mag sein. Nicht jeder mag das nachvollziehen können. Mir wäre es auch lieber, es wäre anders.

Dabei entwickelte sich Zeeto für mich zu einer Figur, mit der ich mich identifizierte und nicht identifizierte. War ich neutraler Beobachter, brachten seine depressiven Phasen mich zum Schmunzeln, nur um mich dann knallhart daran zu erinnern, dass mir diese Gedankengänge nur allzu vertraut sind.

Hier sei also darauf hingewiesen, dass die Themen Depression und manisch-depressive Phasen hier sehr ausführlich aus Sicht eines Betroffenen dargestellt werden. Wer davon nicht betroffen ist, wird aus diesen Stellen sicherlich viel lernen. Wer betroffen ist, sollte evtl. darauf vorbereitet sein, dass es Gedanken auslösen kann, nicht muss, aber kann.

„Wasteland“ entführt Leser in eine postapokalyptische Welt. Die Ideen und das Worldbuilding waren eine Freude und was das Thema Inklusion und Repräsentation angeht, macht das Buch einfach alles richtig. Wirklich sehr gut gemacht. Auch die geschlechtsneutralen Begriffe waren so eingebunden, dass man sie nach ein paar Seiten als selbstverständlich angesehen hat.

Es ist eine spannende Reise durch diese öde Welt mit ihren Gangs und dem Handgebunden Markt. Spannend und aufregend, aber für mir Menschen wie mich an manchen Stellen auch ein echter Kraftakt. Ich denke, ein zweites Mal kann ich dieses Buch nicht lesen. Wirklich nicht. Ich wünschte mir eher, dieses Buch hätte schon existiert, bevor das ‚Leben‘ in mein Leben trat. Ihr wisst, was ich meine.

Es tut mir leid, dass diese Rezension so lange gebraucht hat, aber ich kenne dafür jetzt alle Fotos von Hundewelpen, die im Internet existieren. 🙂

„Wasteland“ von den Vogts ist ein gutes Buch, spannend, aufregend, fesselnd, voller Ideen und vielen Dingen, die einfach nur richtig sind. Wer Inhaltswarnungen in Romanen benötigt (so wie ich), sollte diese auch vorher lesen und entsprechend vorbereitet sein. Ich selbst habe das Buch in einer guten Phase meines Lebens gelesen, der besten eigentlich, aber trotzdem kratzte es an einigen Stellen tiefe Wunden auf, von denen ich nicht dachte, dass sie jemals wieder aufgekratzt werden könnten.


Anmerkung: Da es sich bei diesem Buch um ein zur Verfügung gestelltes Rezensionsexemplar handelt, muss ich diesen Beitrag als Werbung kennzeichnen. Ich möchte allerdings versichern, dass die verfasste Rezension meine ehrliche Meinung wiedergibt und nicht von der Tatsache, dass es sich um ein Rezensionsexemplar handelt, beeinflusst wurde. Denn ganz ehrlich, Rezensionen hätten keinen Sinn, wenn sie nicht ehrlich wären. Ich bedanke mich beim Knaur Verlag für das Rezensionsexemplar.

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