„Kill Creek“
Originaltitel: Kill Creek 
Autor: Scott Thomas
423 Seiten / eBook
ISBN: 3453320255
Verlag: Heyne
[Werbung, da Rezensionsexemplar]

Am Ende einer langen Straße mitten im ländlichen Kansas liegt einsam und verlassen das Finch House. Es ist berüchtigt, schließlich ereilte jeden seiner Bewohner einst ein grausames Schicksal. Könnte es eine bessere Kulisse geben, um die vier erfolgreichsten Horrorautoren der USA zu einem Interview zusammenzubringen und das ganze live im Internet zu streamen? Was als harmloser Publicity-Spaß beginnt, entwickelt sich schnell zum Albtraum für alle Beteiligten. Denn es kommen nicht nur die dunkelsten Geheimnisse der vier Schriftsteller ans Tageslicht, auch das Finch House selbst hütet ein dunkles Geheimnis. Aber anders als die vier Autoren möchte es dieses nicht für sich behalten. Und schon bald gibt es den ersten Todesfall …

Gute Horrorromane gibt es leider nicht wie Sand am Meer. Man muss schon suchen und selbst dann erlebt man entweder ein paar gruselige Beklemmungen oder fürchtet sich richtig. Leider konnte mir Kill Creek weder das eine noch das andere bieten.

Obwohl der Roman an sich handwerklich solide ist und eine Hommage an das Horrorgenre sein will, bedient er sich leider viel zu vieler Klischees, um so richtig in Fahrt zu kommen. Es war dabei auch nicht sonderlich hilfreich, dass die Figuren stereotyp gezeichnet waren und die weiblichen Figuren hervorragend zum #men-writing-women-Hashtag auf Twitter passen. Da kam der Grusel eher aus der sexistischen Schreibweise, als aus der Geschichte selbst.

Die vier Horrorautoren in der Geschichte selbst sind dabei grundverschieden, aber die Quotenfrau dieser Autorenrunde bestach dann mit einem sehr reizenden, extrem übersexualisierten Äußeren und dem Verhalten einer Möchtegern-Sado-Maso-Queen. Natürlich schreibt sie immer nackt. Natürlich ist eines ihrer Hobbys das Ficken und ganz abgesehen von all dem ist sie einfach nur ein Arschloch. Ja, solche Figuren nerven mich. Egal, ob nun männlich, weiblich oder non-binary.

Versteht mich nicht falsch: der Autor hatte bei dieser Figur einen guten Ansatz und thematisierte in ihr den Sexismus und die Diskriminierung, denen Autorinnen in dieser Branche ausgesetzt sind. Aber Scott Thomas schießt dabei mächtig übers Ziel hinaus und das rebellische Verhalten und die eigentlich wirklich guten Punkte gehen bei dem Zuviel an Sex und Beschreibungen der Äußerlichkeiten einfach total unter. Hier hätte soviel mehr entstehen können.

Die restlichen Figuren sind im Vergleich dazu eher sehr blass und besonders der männliche Held, Sam, der ‚vernünftigste‘ in der Runde, bekommt sein Happy End.

An sich war das Buch unterhaltsam, an manchen Stellen schon fast zuviel wie ein Film geschrieben, aber es hat mich nicht vom Hocker gehauen. Für ein Debüt sicherlich keine schlechte Leistung. Hätte der Autor schon mehr geschrieben, würde mein Urteil wesentlich härter ausfallen.

Vielleicht war es keine gute Idee, zu einem Horror-Neu-Autor zu greifen nach 80 Werken des Horrorgroßmeisters Stephen King. Aber wenn ich ehrlich bin, bezweifle ich, dass Kill Creek mich vor dem Projekt mehr begeistert hätte. Es ist nette Unterhaltung für Zwischendurch aber echten Grusel und Horror findet man zwischen den Buchdeckeln hier nicht. Vielleicht ein guter Einstieg für all jene, die sich bisher nicht an das Genre rangetraut haben, aber von meiner Seite gibts nur eine sehr vorsichtige Leseempfehlung.

Anmerkung: Da es sich bei diesem Buch um ein zur Verfügung gestelltes Rezensionsexemplar handelt, muss ich diesen Beitrag als Werbung kennzeichnen. Ich möchte allerdings versichern, dass die verfasste Rezension meine ehrliche Meinung wiedergibt und nicht von der Tatsache, dass es sich um ein Rezensionsexemplar handelt, beeinflusst wurde. Denn ganz ehrlich, Rezensionen hätten keinen Sinn, wenn sie nicht ehrlich wären. Ich bedanke mich beim Heyne Verlag und dem Bloggerportal für das Rezensionsexemplar.

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