In Japan leben fast 127 Millionen Menschen.

Die Bevölkerungsdichte beträgt 335,8 Einwohner pro Quadratkilometer. Zum Vergleich beträgt die Bevölkerungsdichte in Deutschland 232 Einwohner pro Quadratkilometer. Deutschland ist nur ca. 20.000 Quadratkilometer kleiner als Japan. Man müsste meinen, hier würde ein brutales Chaos herrschen, aber verrückterweise geht hier alles extrem geordnet zu. Es ist extrem sauber überall. Selbst japanische Bahnhöfe sind so sauber, wie der Münchner Flughafen. Es ist echt beeindruckend.

Auch jede öffentliche Toilette, die wir bis dato genutzt haben, war einfach super sauber, gepflegt und überhaupt eine kleine Wohlfühloase.

Aber auch der Straßenverkehr läuft wesentlich entspannter ab, als ich erwartet hatte. Sicherlich gibt es viele Autos, aber von verstopften Straßen kann bis jetzt keine Rede sein. Manche fahren wie die Besenkten, aber trotzdem nie rücksichtslos. Gleiches gilt für die Radfahrer. Die brettern teilweise mit einem Affenzahn durch die Gegend und passen trotzdem auf die Fußgänger auf. Selbst dabei sind sie extrem höflich. Hier haben wir bisher noch kein Gebrüll mitbekommen, wo sich zwei Verkehrsteilnehmer gegenseitig angeschrien hätten. Davon können wir Deutsche uns echt ne Scheibe abschneiden. Das macht die Teilnahme am öffentlichen Leben total entspannt. Sicherlich, leben würde ich hier nicht wollen, aber ich kann mittlerweile verstehen, warum soviele von diesem Land schwärmen.

Das Thema Plastikmüll und Müll im allgemeinen ist ein anderes Thema. Bei den Reiseplanungen bin ich online immer wieder Menschen begegnet, die auch auf Reisen ihr Zero Waste-Verhalten durchziehen wollen. In Japan ist das fast unmöglich. Zwar kann man Plastiktüten mit einem einfachen ’no bag‘ problemlos ablehnen, aber die Lebensmittel sind trotzdem in Plastik verpackt, teilweise sogar in der Plastikpackung dann nochmal separat. Das ist schon extrem. Allerdings denke ich mir, dass man wahrscheinlich auch nicht ans andere Ende der Welt fliegen sollte, wenn man großen Wert darauf legt, der Umwelt was gutes zu tun. Unser Business Class Flug ist, was unseren klimatischen Fußabdruck angeht, auch nicht gerade berauschend. Andererseits sind viele schnell zur Stelle und erheben den moralischen Zeigefinger deswegen. Mir wäre es ja lieber, wenn dieselben Leute mal groß Loben würden, was man sonst im Leben so alles richtig macht. Bei einigen scheint das wohl keine Rolle zu spielen. Da sieht man nur das Negative. Das kann auf Dauer anstrengend sein. Es ist für uns Deutsche ein Leichtes, zu urteilen. Mir zum Beispiel war bis zu den Reiseplanungen gar nicht bewusst, wie das Klima hier ist, wie hoch teilweise die Luftfeuchtigkeit werden kann. Da wird’s mit Papierverpackungen nicht mehr ganz so einfach. Das hohe Ross ist eben eine sehr bequeme Sitzgelegenheit.

Es ist Mitte September und draußen hats noch über 30 Grad. Ohne Wind kaum auszuhalten. Nächste Woche soll es wohl langsam kühler werden, aber von den Temperaturen her wirds wohl noch bis in den Oktober hinein eher Temperaturen haben, die an einen Sommer in Deutschland denken lassen. Im Hochsommer würde ich gar nicht herkommen wollen.

Die Höflichkeit hier ist der Hammer. Und es ist total ungewohnt. Mittlerweile haben wir die Verbeugungen schon verinnerlicht und nutzen auch bei vielem beide Hände. Überhaupt ist die Rücksichtnahme und vorausschauendes am Leben teilhaben, hier absolut gang und gebe. Das, was ich gern als gesunden Menschenverstand definiere, gehört bei den Japanern wohl zur Grundausstattung. Da wird die Fahrstuhltür aufgehalten, damit man problemlos noch mitfahren kann. Steigt einer eine Etage früher aus als man selbst, wird beim Verlassen oftmals der Knopf für das Schließen der Türen gedrückt, damit man nicht zu lange warten muss. Es sind soviele Kleinigkeiten, die sich einfach summieren und das Leben echt einfach nur angenehm machen. Ich glaube, bei dieser Menge an Menschen in diesem Land kann es auch nur so funktionieren. Schön wäre es nur, wenn das die Deutschen auch verstehen würden, statt in vielen Dingen immer nur auf ihr Recht zu bestehen.

Tattoos: Wir haben bisher einen einzigen Japaner gesehen, der tätowiert war. Da Tätowierungen hier in Japan offenbar immer noch viel mit der Yakuza in Verbindung gebracht werden, besonders auf dem Land, sind Tattoos eine echte Seltenheit. Als Tourist mit Tattoos merkt man da ganz schnell, dass die Leute verstohlene Blicke werfen oder auch einfach mal rundheraus drauf starren oder sich halb den Kopf verrenken im Vorbeilaufen. Einen Onsen wollten wir eigentlich nicht testen gehen, aber ich habe vor der Reise schon viel darüber gelesen, dass Tattoos in den meisten Onsen nach wie vor Tabu sind.

Bis jetzt gefällt uns das, was wir von Japan gesehen haben, sehr gut. Es ist ein schönes Land, voller Gegensätze mit wirklich extrem höflichen und gastfreundlichen Menschen, die großen Wert auf ihre Hilfsbereitschaft legen, dabei ist es mir ja schon egal, dass wir für die Japaner eher als „Wilde“ gelten, denen man mit Nachsicht begegnen muss. Wenn sie einem nicht helfen können, setzen sie alle Hebel in Bewegung, damit trotzdem geholfen werden kann, egal wieviel Aufwand das für sie bedeutet. Das finde ich schon klasse.

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