„Roter Mond“
Originaltitel: Red Moon 
Autor: Kim Stanley Robinson
441 Seiten / eBook
ISBN: 3453320107
Verlag: Heyne
[Werbung, da Rezensionsexemplar]

Wir schreiben das Jahr 2048. Die Menschheit hat den Mond kolonisiert. Vor allem China hat sich große Pfründe gesichert. Für drei Menschen wird der Erdtrabant zum Schicksalsort: Fred Fredericks soll dort für die chinesische Science Foundation ein Kommunikationssystem installieren und wird Zeuge eines Mordes. Der chinesische Starreporter Ta Shu soll die Schönen und Reichen auf dem Mond interviewen und gerät in eine tödliche Intrige. Und Chan Qi, die Tochter des chinesischen Finanzministers, hat ihre ganz eigene Agenda. Als sie heimlich zur Erde zurückkehren will, setzt sie damit eine Kette von Ereignissen in Gang, die nicht nur Freds, Shus und ihr eigenes Leben bedrohen, sondern das Schicksal der gesamten Menschheit … 

Muss ich eigentlich noch erwähnen, dass zwischen mir und KSRs Büchern ein sehr angespanntes Verhältnis herrscht? Ich glaube, nein. Es verwundert mich einfach immer wieder, wie mich ein Buch von ihm total begeistern kann während das nächste eher enttäuschend ist. Wenn ich erklären könnte, woran das liegt, wäre ich schon weiter.

New York 2140 war für mich ja weder gut noch schlecht. Ich habe normalerweise keine Probleme mit Infodumps und ich finde wissenschaftliche, politische und soziale Themen und Fragestellungen toll. Aber bei Roter Mond frage ich mich allen ernstes, ob Robinson dieses Buch überhaupt selbst geschrieben hat. Trotz all dem subjektiven Gefallen/Nicht-Gefallen, konnte man von Kim Stanley Robinson immer behaupten, dass er handwerklich gut ist und einen tollen Schreibstil hat.

Roter Mond war aber bis jetzt das holprigste Buch, das ich je von ihm gelesen habe. Er wiederholte sich wirklich ständig und der Satzbau war eine einzige Katastrophe. Und dann gab es da so Perlen wie diese hier:

Oder vielleicht auch nur um ein Primatenhaus, denn in seiner Mitte gab es einen großen Glaskasten voller Trapeze, hängender Fässer und in Schlaufen hängender Seile – und Gibbons. Genau genommen handelte es sich um ein reines Gibbon-Gehege.
»Gibbons!«, rief Ta Shu.

Ich meine, die erste und die zweite Erwähnung machten es dem Leser ja noch nicht deutlich genug, dass da Gibbons sind. Nein, Ta Shu muss es auch nochmal extra erwähnen, damit man sich auch wirklich sicher sein kann. Dass Gibbons dann gleich nochmal zwei Sätze weiter auftaucht….Le Augenverdreh.

Und irgendwie war das ganze Buch so geschrieben. Auf diese Art. Ich kam mir vor, als wäre jede Leichtigkeit des Erzählens irgendwo in der Luftschleuse verloren gegangen.

Ja, wir sind auf dem Mond. Ja, dort ist es nicht so einfach, sich fortzubewegen. Nein, ich muss das nicht jedes Mal extra erzählt bekommen, dass Figur A, B, C sich vorsichtig fortbewegt, weil die Anziehungskraft auf dem Mond eine andere ist.

Ehrlich mal, was ist hier los? Würde nicht Kim Stanley Robinsons Name auf dem Cover stehen, ich würde es nie glauben, dass er dieses Buch geschrieben haben soll.

Wäre es der erste Roman, den ich von ihm lese, dann würde ich danach nie mehr eines seiner Bücher anfassen. Das kann er doch eigentlich soviel besser. Jetzt mal so ganz abgesehen vom Inhalt. Ganz abgesehen von den seitenlangen Infodumps über Quantenphysik, Feng Shui und chinesische Kultur und Politik. Es kann doch nicht sein, dass diese Infodumps das interessantes am ganzen Buch waren.

Und die Figuren? Ein sehr überschaubarer Cast, wenn man seine anderen Werke kennt. Aber keine davon stand heraus. Keine war so gut gezeichnet, dass ich in irgendeiner Form auch nur Interesse an ihr gehabt hätte. Wenn überhaupt, war Ta Shu noch am ehesten das, was ich einen Sympathieträger nennen würde, weil seine kindliche Begeisterung für soviele Dinge echt cool war. Aber sonst.

Vielleicht übersteigt es auch einfach meinen Horizont. Vielleicht ist das Buch so sehr seiner Zeit voraus, dass ich es einfach nicht verstehen kann. Who knows. Ich glaube, bei den nächsten KSR-Romanen werde ich der Versuchung widerstehen, sie zu lesen und erstmal abwarten, was andere dazu zu sagen haben.

Roter Mond von Kim Stanley Robinson war für mich der erste Robinson, der mir nicht nur nicht gefiel, sondern den ich tatsächlich für echt schlecht halte. Der Erzählstil ist so ganz untypisch KSR und rein vom Handwerk her hat er mich auch echt nicht aus den Latschen geworfen. Sorry, keine Leseempfehlung dafür von mir.


Anmerkung: Da es sich bei diesem Buch um ein zur Verfügung gestelltes Rezensionsexemplar handelt, muss ich diesen Beitrag als Werbung kennzeichnen. Ich möchte allerdings versichern, dass die verfasste Rezension meine ehrliche Meinung wiedergibt und nicht von der Tatsache, dass es sich um ein Rezensionsexemplar handelt, beeinflusst wurde. Denn ganz ehrlich, Rezensionen hätten keinen Sinn, wenn sie nicht ehrlich wären. Ich bedanke mich beim Heyne Verlag und dem Bloggerportal für das Rezensionsexemplar.

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2 Kommentare zu „Robinson, Kim Stanley – Roter Mond

  1. Huhu Grit!
    Oh je, oh je. Auch wenn ich meinen Spaß hatte an deiner Rezension, den hattest du mit Sicherheit nicht während der Lektüre. Die Sache mit dem handwerklichen Stil des Schreibens … ähnlich ging es mir bei Cari Mora von Thomas Harris. Welch Abstieg zur früheren Lecter-Zeit! Sehr schade, wenn man so etwas erlebt.

    Liebste Grüße!
    Gabriela

    • Huhu Gabriela,
      ja, ich war echt enttäuscht in jederlei Hinsicht. Es war ja nun nicht mein erster KSR. Ich WEISS einfach, dass er es soviel besser kann, selbst wenn mir ein Buch von ihm mal nicht gefällt. Aber das hier? ugh

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