„Flug und Angst“
Originaltitel: Fright or Flight
Autor: diverse
Herausgeber: Stephen King & Bev Vincent
328 Seiten / eBook
ISBN: 3453439805
Verlag: Heyne
[Werbung, da Rezensionsexemplar]

Nichts ist Stephen King ein größerer Gräuel, als fliegen zu müssen. Zusammen mit Mitherausgeber Bev Vincent teilt er nun seine Flugangst mit seinen Lesern. Die Anthologie versammelt alles, was gründlich schiefgehen kann, wenn man sich auf 30.000 Fuß Höhe mit 500 Knoten in einem Metallgefährt (einem Sarg?) durch die Lüfte bewegt. Flugreisen verwandeln sich hier schnell in Albträume, auf die man nie im Leben gekommen wäre. Da überlegt man es sich lieber zweimal, ob der Weg zum Ziel nicht in einer letzten Reise mündet. 

Flug und Angst beinhaltet 17 Kurzgeschichten unterschiedlicher Autoren. Auch wenn die Liste der Autoren ein reines sausage fest offenbart, was ich persönlich sehr schade finde, so sind auf dieser Liste doch so namentliche Größen. Neben Ray Bradbury finden sich auch Arthur Conan Doyle, Ambrose Bierce, Richard Matheson und Roald Dahl. Auch die beiden Herausgeber, Stephen King und Bev Vincent haben Geschichten beigesteuert.

Jede Geschichte beschäftigt sich mit dem Thema Fliegen und macht dabei einen Querschlag durch alle möglichen Genre. Seien es nun Zeitreisen, Horror, Übernatürliches, Zombies oder Kriegsgeschichten.


Cargo – Die erste Geschichte in der Anthologie von Michael Lewis ging mir dabei vom Gruselfaktor her am meisten unter die Haut und beschreibt ein Frachtflugzeug, dass im Anschluss an das Jonestown Massaker die Leichen der Kinder in Särgen transportiert. Ich weiß nicht, was ich daran verstörender fand: die Tatsache, dass in den Särgen Kindergelächter zu hören war oder die Tatsache, dass sich die Hauptfigur das nicht nur einbildete sondern es alle hörten. – 5 Sterne


Das Grauen der Höhe – Arthur Conan Doyle – Erschien erstmalig 1913, als Flugzeuge damals gerade mal so an die 12000 Fuß Höhe erreichten. Sie beschäftigt sich damit, was sich oberhalb von 30000 Fuß befinden kann. Der Spannungsfaktor ist hier nicht sehr hoch, aber die Vorstellungskraft ist umso stärker. – 3 Sterne


Alptraum auf 20000 Fuß – Richard Matheson – Geschrieben in den 1960er Jahren, als man in Flugzeugen noch rauchte und Pistolen mitführen durfte. Die Hauptfigur beobachte während eines Fluges einen Mann auf der Tragfläche des Flugzeugs und versucht den Absturz zu verhindern. Fand ich persönlich etwas zäh und vorhersehbar. – 3 Sterne


Die Flugmaschine – Ambrose Bierce – Diese Geschichte ist gerade mal eine halbe Seite lang und soll wohl zeigen, dass Menschen bereit sind Geld zu investieren in Dinge, die noch nicht ausgereift sind. – 2 Sterne


Luzifer! E. C. Tubb – Die Hauptfigur wird zufällig Besitzer einer Zeitmaschine in Form eines Rings und steuert damit den Verlauf seines zukünftigen Lebens. Bis er an Bord einer Maschine sitzt, die abstürzen wird und er feststellen muss, dass ihm die Zeitmaschine hier nichts nützt. Extrem unsympathische Hauptfigur. – 3 Sterne


Die fünfte Kategorie – Tom Bissell – Wir folgen einem Amerikaner mit koreanischen Wurzeln, der mit einer Vietnamesin verheiratet ist. Er befindet sich auf einem Flug von Finnland zurück in die USA, nachdem er zu einer Konferenz in Talinn in Estland war. Er war Jurist für das Verteidigungsministerium und sollte Memoranden dazu verfassen, wie die Verhör- und Foltermethoden des CIA rechtlich legitim gemacht werden können, was ihm sehr viele Feinde machte. Eine interessante Geschichte, wenn auch etwas vorhersehbar. – 4 Sterne


Zwei Minuten fünfundvierzig Sekunden – Dan Simmons – Diese Geschichte fand ich persönlich total schräg und wirr. Hat mir so gar nicht gefallen. – 2 Sterne


Diablitos – Cody Goodfellow – Die Geschichte um Ryan Rayburn III, der eine antike Maske eines ausgestorbenen Naturvolkes von Costa Rica in die USA schmuggeln will und dabei schnell mit Kräften konfrontiert wird, denen er sich nicht widersetzen kann. Die Geschichte fand ich ein echt nettes Lesevergnügen und irgendwie ist das Ende ein kleines bisschen zu offen für meinen Geschmack. – 4 Sterne


Luftangriff – John Varley – Diese Geschichte ist definitiv im Science Fiction-Bereich ansässig und hat mir sehr gut gefallen. Menschen aus der Zukunft retten Passagiere eines Fluges der Vergangenheit in ihre Zeit, um sie vor dem Absturz zu retten und gleichzeitig in ihrer Zeit das Überleben der Menschheit zu sichern. Verrückte Idee, sehr nett umgesetzt und ohne großen Schnickschnack. – 4 Sterne


Freigabe erteilt – Joe Hill – Freigabe erteilt ist definitiv die politischste und menschlichste Geschichte dieser Anthologie. Ein Flug mit über 200 Menschen an Bord, während unter ihnen der nächste Weltkrieg ausbricht. Eigentlich die erschreckendste Geschichte der ganzen Anthologie. Die Figuren sind real gezeichnet und bunt gemischt, divers und während sie anfangs klischeehaft erscheinen, zeichnet Hill auf den 28 Seiten mehrere Schichten Menschlichkeit, so dass am Ende alle nur eine Gruppe Menschen sind, deren bekanntes Leben auf einen Schlag endet und sie in die Ungewissheit führt. Für mich die stärkste Geschichte dieser Sammlung – 5 Sterne


Kriegsvögel – David J. Schow – Eine Geschichte über den 2. Weltkrieg und den Luftkampf zwischen den Alliierten und den Deutschen, erzählt aus den Erinnerungen eines alten Mannes, der davon überzeugt war, dass dieser Krieg damals etwas geweckt hat, das nun nach und nach alle Überlebenden des damaligen Luftkampfes einholt. Beeindruckend und sehr überzeugend sind die Geschehnisse des Krieges geschildert, bei den Kriegsvögeln selbst ist aber nicht klar, ob es sich hier um wahre Geschöpfe handelt oder um Hirngespinste eines alten Mannes. – 4 Sterne


Die Flugmaschine – Ray Bradbury – Eine Parabel über den Kaiser von China, der einen Mann, der eine Flugmaschine erfunden hat, hinrichten lässt, weil der Kaiser sich bewusst ist, dass diese Fortschritte auf lange Sicht eine Veränderung der Gesellschaft, Tod und Zerstörung bringen werden. Die Geschichte hat mir richtig gut gefallen. Hätte ich Bradbury so klar und direkt gar nicht zugetraut, muss ich gestehen. – 4 Sterne


Zombies im Flugzeug – Bev Vincent – Zombies dürfen in so einer Anthologie sicherlich nicht fehlen. Mitherausgeber Bev Vincent hat sich hier nicht lumpen lassen. Eine Gruppe Überlebender schaffen es zu einem Flugzeug. Gott sei Dank ist einer Pilot. Als die Maschine endlich startet, gibts allerdings eine kleine Überraschung von Seiten der Hauptfigur. Ein kleines bisschen Snakes on a plane. – 4 Sterne


Alt werden sie nicht – Roald Dahl – Die zweite Kriegsgeschichte rund um Piloten im Einsatz. Dieses Mal jedoch die unglaubliche Geschichte einer Geisterflugzeugstaffel auf dem Weg in das Leben danach, die den handelnden Figuren etwas Angst nimmt, weil sie wissen, was nach einem Abschuss kommen wird. Diese Geschichte hat mich sehr berührt, obwohl sie sehr einfach gehalten ist. – 4 Sterne


Mord im Himmel – Peter Tremayne – Ein Locked Room Mystery im Flugzeug. Auf der verschlossenen Flugzeugtoilette findet das Bordpersonal nach Aufbrechen der Tür eine Leiche, die erschossen wurde. 3 Stunden bleiben einem Kriminologen an Bord, den Täter zu finden. Ein kleines bisschen vorhersehbar, muss ich gestehen, hinsichtlich Täter und Waffe, aber trotzdem sehr unterhaltsam geschrieben – 4 Sterne


Ein Fachmann für Turbulenzen – Stephen King – Stephen King war ja sein Leben lang kein großer Fan des Fliegens und schildert in seinem Vorwort auch ein Erlebnis an Bord eines kleinen Jets, das er seitdem nicht mehr vergessen kann. Ich glaube ihm, dass er seit diesem Vorfall ein sehr entspannter Fluggast ist. In seiner Kurzgeschichte erzählt King die Geschichte eines Mannes, dessen Job es ist, in Flugzeugen bei Turbulenzen anwesend zu sein, um die Maschine davor zu retten, bei den Turbulenzen abzustürzen. Ich denke, diese Geschichte kann in gewisser Weise jeden beruhigen, der tatsächlich Flugangst hat, denn die Vorstellung, dass es einen solchen Fachmann gibt und deswegen das Fliegen sehr sicher ist, kann durchaus beruhigend wirken. Eine schöne Geschichte in gewohntem King-Stil. – 5 Sterne


Im Fall – James Dickey – Dies ist eigentlich keine Geschichte sondern ein sich nicht reimendes Gedicht über mehrere Seiten hinweg über eine Flugbegleiterin, die aus dem Flugzeug gesogen wird und fällt. Während die Prämisse selbst interessant ist, hat mir die Umsetzung als Gedicht so gar nicht gefallen. So gar nicht mein Ding. – 1 Stern.


Alles in allem sind die Geschichten das Fliegen betreffend sehr einfallsreich. Wer keine Angst vorm Fliegen hat, wird auch nach der Lektüre keine Angst haben und wer Angst vorm Fliegen hat, dem wird diese Lektüre die Angst nicht verstärken.

Müsste ich eine Geschichte als Favorit auswählen, dann würde das Joe Hills Freigabe erteilt sein. Die erste Kurzgeschichte Cargo fand ich von allen am Gruseligsten.

Flug und Angst ist eine unterhaltsame Anthologie zum Thema Fliegen. Angst kommt allerdings keine auf und somit kann das Buch ganz entspannt auch beim Fliegen gelesen werden.


Anmerkung: Da es sich bei diesem Buch um ein zur Verfügung gestelltes Rezensionsexemplar handelt, muss ich diesen Beitrag als Werbung kennzeichnen. Ich möchte allerdings versichern, dass die verfasste Rezension meine ehrliche Meinung wiedergibt und nicht von der Tatsache, dass es sich um ein Rezensionsexemplar handelt, beeinflusst wurde. Denn ganz ehrlich, Rezensionen hätten keinen Sinn, wenn sie nicht ehrlich wären. Ich bedanke mich beim Heyne Verlag und dem Bloggerportal für das Rezensionsexemplar.

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