„Ein Gesicht in der Menge“
Originaltitel: A Face in the Crowd
Autor: Stephen King
40 Seiten / eBook
ISBN: 3499227940
Verlag: Rowohlt

Nach dem Tod seiner Frau ist Dean Evers nach Florida gezogen. Gut geht es ihm nicht, er nimmt Tabletten und trinkt zu viel. Eines Abends, als er mal wieder einsam Baseball schaut, sieht er im Publikum seinen alten Zahnarzt. Der Mann ist seit Jahren tot. Eine Halluzination? Dean gießt sich vorsichtshalber nach. Weitere Bekannte tauchen auf dem Bildschirm auf: alles Menschen, denen Dean irgendwann im Leben übel mitgespielt hat. Auch seine tote Frau ist dabei, die ihm gleich noch per Handy erklärt, was für eine Hölle ihre Ehe war. Und dann sieht Dean das Gesicht, das er am wenigsten sehen möchte und das ihn zu einem verzweifelten Schritt treibt.

Ein Gesicht in der Menge ist mit seinen 40 Seiten schnell gelesen. Dean Evers ist eine dieser Figuren, die eigentlich auf den ersten Blick sympathisch rüberkommen, aber doch so einige Fehler haben, die diese Sympathie schnell verfliegen lassen. Zu sehr ist er davon überzeugt, ein guter Ehemann gewesen zu sein, abgesehen von dieser einen Affäre, die ja nichts bedeutet hatte. Dass er ein guter Mensch war, abgesehen davon, dass er seinen Geschäftspartner erpresst hatte, um aus einem Partnerschaftsvertrag rauszukommen. Dass er eine tolle Kindheit hatte, abgesehen von dem Jungen, den er mit seinen Freunden gemobbt hat.

All diese Dinge sammeln sich an und machen aus dem alten Herren, der seine Frau nach über 40 Jahren Ehe verloren hat, einen Menschen, dem man nicht unbedingt viel Mitgefühl entgegenbringen kann. Wobei das sicherlich pure Subjektivität meinerseits ist. Alle Menschen machen Fehler. Ich lege allerdings Wert auf Einsichtigkeit und die gab es bei Dean irgendwie nicht.

Dadurch schaffte es diese kurze Geschichte auch nicht, mich voll zu vereinnahmen. Wer King liest, weiß, dass King ein großer Red Sox-Fan ist (Go, Sox!) und Baseball liebt. Diese Liebe kommt zwischen den Zeilen und in den Beschreibungen der Spiele gut durch. Aber sie reicht nicht, um diese Geschichte einzigartig zu machen. Dean Evers steht dem einfach im Weg.

Das Ende war dann leider auch eher vorhersehbar und kein wirklich großer Knaller.


Ein Gesicht in der Menge konnte mich leider nicht wirklich überzeugen. Meine fehlende Sympathie für die Hauptfigur machte die Sache auch nicht unbedingt besser. Kann man lesen, kann man aber auch bleiben lassen.


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