„Wie man einen Toaster überlistet“
Originaltitel: Unauthorized Bread
Autor: Cory Doctorow
128 Seiten / eBook
EAN: 9783641241766
Verlag: Heyne
[Werbung, da Rezensionsexemplar]

Nach vielen Jahren in Flüchtlingsheimen und Notunterkünften kann Salima endlich in ein Hochhausapartment umziehen. Das Gebäude ist zwar neu, aber damit fangen die Probleme erst an: Der intelligente Toaster gibt auf einmal den Geist auf und nimmt nur noch das Brot der Toastermarke an. Dann fällt der Kühlschrank aus. Als Salima feststellt, dass selbst der Fahrstuhl die ärmeren Mieter benachteiligt, fasst sie einen Entschluss. Es muss doch einen Weg geben, sich in die Haushaltsgeräte zu hacken und sie wieder frei verfügbar zu machen! Gesagt, getan …

Was für eine geniale Novelle. In Wie man einen Toaster überlistet zeigt Cory Doctorow sehr deutlich, wie weit man den Copyrightschutz treiben kann. Selima, die endlich eine Wohnung bekommen hat und so langsam anfängt, sich ein eigenes Leben aufzubauen, merkt sehr schnell, dass sie Teil einer Klassengesellschaft geworden ist, in welcher sie zur untersten Schicht gehört. In dem neugebauten Wohnhaus wohnt sie im 34. Stock, ihre Freundin Nadifa im 40. Die Fahrstühle jedoch haben zwei Türen: eine, die sich nur für die reichen Mitbewohner öffnet und eine, die sich für Selima und die anderen Sozialwohnungsmieter öffnet. Dabei fahren die vollzahlenden Mieter immer zuerst, was zu langen Wartezeiten führt. Abgesehen davon, dass die eigenen vier Wände in Selimas Wohung einen winzig kleinen Raum umschließen, sind auch die in der Wohnung installierten Elektrogeräte von nicht unbedingt der besten Qualität. Der Toaster genau wie Kühlschrank, Mikrowelle, Geschirrspüler und und und sind von Firmen, die ihren Kunden vorschreiben wollen, welche Produkte in diesen Geräten verwendet bzw. zubereitet werden dürfen. Der Toast? Nur von der Marke der Toasterfirma. Das Waschmittel? Nur von der Firma der Waschmaschine. Das führt zu Problemen, als die Firmen plötzlich pleite gehen und nichts mehr funktioniert. Neue Geräte installieren? Das können sich die Bewohner von Selimas Hochhaushälfte nicht leisten. Also sucht Selima einen Weg, das Problem zu lösen. Schnell spricht sich das herum und bald haben alle gehackte Elektrogeräte, die ihnen größere Freiheiten ermöglichen. So lapidare Dinge wie mit selbstgekauften Lebensmitteln zu kochen oder sein eigenes Brot zu backen.

Nur kommen die Firmen da schnell dahinter, als sie wieder in Erscheinung treten und suchen nach Lösungen, das Hacking zu unterbinden. Immerhin hängt daran eine Menge Geld und Lizenzgebühren. Unvorstellbar? Nicht unbedingt, wenn man sich nur mal Amazons Kindle ansieht. Oder Apps, die bereits vorinstalliert auf Smartphones geliefert werden und die man selbst nicht so ohne weiteres entfernen kann.

Doctorow zeigt sehr deutlich, was alles möglich ist und sein lockerer Schreibstil mag es witzig erscheinen lassen, aber die Message zwischen den Zeilen ist wesentlich tiefgründiger und dunkler, als man sich das vorstellen mag.

Selima ist dabei eine sehr sympathische Figur und durch ihren Hintergrund und auch den Hintergrund der anderen Figuren greift Doctorow auch das Thema Immigration und Integration auf. Dabei schließt Selima zufällig Freundschaft mit einer Weißen namens Wyoming und es fällt ihr sehr schwer zu akzeptieren, dass es auch außerhalb ihrer eigenen Welt aus Flüchtlingen der unterschiedlichsten Länder Menschen gibt, die ohne Hintergedanken einfach nur freundlich und auf Gerechtigkeit bedacht sind.

Wenn ich an diesem Buch etwas bemängeln müsste, dann die Tatsache, dass es nur 128 Seiten hat. Ich war einfach noch nicht bereit dafür, das Buch aus der Hand zu legen, als das Ende kam. Nachdem ich Doctorows Walkaway letztes Jahr abgebrochen hatte, war ich doch sehr überrascht, wie sehr mir diese Novelle von ihm gefallen hat. Klare Leseempfehlung für Wie man einen Toaster überlistet, der unterhaltsam und kritisch zugleich ist.

Anmerkung: Da es sich bei diesem Buch um ein zur Verfügung gestelltes Rezensionsexemplar handelt, muss ich diesen Beitrag als Werbung kennzeichnen. Ich möchte allerdings versichern, dass die verfasste Rezension meine ehrliche Meinung wiedergibt und nicht von der Tatsache, dass es sich um ein Rezensionsexemplar handelt, beeinflusst wurde. Denn ganz ehrlich, Rezensionen hätten keinen Sinn, wenn sie nicht ehrlich wären. Ich bedanke mich beim Heyne Verlag und dem Bloggerportal für das Rezensionsexemplar.

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