„Der Abgrund jenseits der Träume“
Originaltitel: The Abyss Beyond Dreams
Autor: Peter F. Hamilton
816 Seiten / eBook
ISBN: 3492703917
Verlag: Piper

Endlich kehrt Peter F. Hamilton zu seinem beliebtesten Universum zurück. Auf diesen Band, Teil des »Commonwealth«-Zyklus und zugleich idealer Einstieg für Neuleser, haben die Fans seit Jahren gewartet: Was liegt hinter der Leere, der gefährlichsten Anomalie der Galaxis, die niemand zuvor durchquert hat? Die Leere ist ein gewaltiges, machtvolles Gebilde, mysteriöser und gefährlicher als alles im Universum. Als ein selbsternannter Prophet von dort Traumbilder empfängt, die auf eine bevorstehende Katastrophe hindeuten, wird Nigel Sheldon beauftragt, zur Leere zu reisen. Er soll alles über den Ursprung der Träume herausfinden und die letzte Grenze überschreiten. Und was er entdeckt, wird über das Schicksal aller Zivilisationen entscheiden …

Die Chroniken der Faller sind die einzigen beiden Hamilton-Romane, die ich noch nicht gelesen hatte. Den ersten Band, Der Abgrund jenseits der Träume, habe ich jetzt endlich nachgeholt.

In der Beschreibung stört mich ein bisschen, dass dieses Buch Ideal für Hamilton-Neueinsteiger sein soll. Ich persönlich sehe das nämlich komplett anders. Hamiltons Commonwealth-Universum ist so komplex, dass man hier tatsächlich am Anfang, mit Der Stern der Pandora, einsteigen sollte. Und auch da muss man sich gefasst machen auf große Menge an Figuren und Handlungssträngen. Wer sich damit schwer tut, wird auch nur schwer einen Einstieg finden. Zudem knüpfen Die Chroniken der Faller direkt an die Ereignisse der Void-Trilogie an.

Die Raiel haben festgestellt, dass die Stadt Makathran auf Querencia, die einer der Haupthandlungsorte der Void-Trilogie ist, auf einem in der Leere abgestürzten Schiff der Raiel aufgebaut wurde. Sie bitten Nigel Sheldon, in die Leere zu fliegen, auf Querencia zu landen und Kontakt mit dem Schiff aufzunehmen.

Nigel schickt seinen Klon in die Leere und landet auf einem Planeten, allerdings auf Bienvenido und nicht auf Querencia. Erst so nach und nach wird ihm klar, dass sie von der falschen Annahme ausgegangen sind, in der Leere würde es nur einen Planeten geben. Auf Bienvenido haben sich die Menschen ähnlich entwickelt wie auf Querencia und auch sie verfügen über telekinetische und telepathische Kräfte. Wie bei der Void-Trilogie auch, folgen wir einem jungen Mann, dieses Mal namens Slvasta, der sich gegen das bestehende Gesellschaftssystem der Unterdrückung und Ausbeutung durch die Reichen auflehnt. Am Ende gelingt eine Revolution, bei der Nigel im Hintergrund die Fäden gezogen hat, um sein eigentliches Ziel, die Menschen und den Planeten von der Leere und der Bedrohung durch die Faller zu befreien.

Die Faller sind eine Spezies ähnlich den Prime aus der Commonwealth-Trilogie. Sie leben einzig für das Ziel der Ausbreitung und Dominanz anderer Welten. Dabei gehen sie jedoch anders vor, als die Prime. Die Faller lassen ihre Eier auf Querencia landen. Berührt man eines dieser Eier, wird man von diesem langsam eingesaugt und stirbt dabei. Das Ei jedoch erstellt eine perfekte Kopie der eingesaugten Person, die dann quasi daraus schlüpft. Diese Kopien fressen noch dazu Menschen und sind eine große Gefahr für die Menschen auf Bienvenido.

Slvasta verliert im Kampf gegen diese Faller einen Arm und verschreibt sich danach ganz und gar dem Kampf gegen sie. Als er seinen Job zu gut macht, wird er aus politischen Gründen aus dem aktiven Dienst abgezogen und bekommt einen Schreibtischjob. Schnell wird klar, dass die Politik hier sehr viele Fäden zieht und das Problem der Faller nicht so ernst genommen wird, wie man erwarten würde. Slvasta und seine Freunde arbeiten danach an einer Revolution, die am Ende des Romans auch erfolgreich ist. Leider sehr viel erfolgreicher als erwartet. Slvasta, der so von seinem Hass für die Faller besessen ist, verfällt der Paranoia und sieht überall Faller. Auch seine Freunde werden dabei nicht verschont.

Nigel indes baut sich im Hinterland ein kleines Imperium auf. Ihm wurde schnell klar, dass in der Hauptstadt ein Schiff des Commonwealth liegt, so wie es in Makathran ein Schiff der Raiel war. Mit den da vorhandenen Waffen könnte er, so denkt er, die Menschen auf Bienvenido von der Leere und der damit verbundenen Bedrohung durch die Faller befreien.

Es war mir wie immer eine Freude, Hamiltons Handlungsfäden zu folgen, die am Ende meisterhaft miteinander verwoben werden. Die Figuren waren erneut mehr, als sie auf den ersten Blick zu sein schienen und machten eigentlich durch die Bank weg nachvollziehbare Entwicklungen durch. Da sind wir aber auch vielleicht bei dem einzigen Manko, das sich bei Hamilton durch all seine Romane zieht: viele weibliche Figuren sind anfangs die Damsel in distress und arbeiten viel über ihre Sexualität und ihr Aussehen. Was ich Hamilton allerdings zugute halte ist die Tatsache, dass selbst aus der größten Damsel in Distress richtige Kick Ass-Ladys werden, die man in sein Herz schließt.

Sicherlich ziehen viele dafür Sterne ab und bemängeln es, aber ich selbst muss offen gestehen, dass ich mittlerweile zu sehr Hamilton-Fan bin, als dass ich darüber noch groß meckern würde. Mit gefällt einfach das Gesamtpaket seiner Bücher, die Komplexität, die meisterhaft miteinander verwobenen Handlungsfäden, bei denen man sich oftmals am Anfang fragt, wo das eigentlich alles hinführen soll. Die Masse an Figuren, die jede einzelne wirklich beeindruckend ist und ihren Weg beschreitet. Das gigantische Worldbuilding und wie hier in Der Abgrund jenseits der Träume die absolut realistisch beschriebene Revolution von Anfang bis Ende. Das ist einfach klasse. Und ja, das muss man mögen.

Der Abgrund der Träume hat mir riesig gut gefallen, wobei ich besonders Slvastas Paranoia am Ende erschreckender fand, als die Bedrohung durch die Faller. Ich fands toll, dass man mehr von Nigel Sheldon erleben konnte, gehört er doch mit zu meinen liebsten Figuren des Commonwealth-Universums und auch Paula Myo war – wenn auch nur für ein Stück – mit von der Partie. Eine klare Lesempfehlung für Hamilton-Fans. Neueinsteiger sollten aber trotzdem mit Der Stern der Pandora anfangen, weil sonst viele Zusammenhänge fehlen und man sich in mancherlei Hinsicht auch für die vorherigen Bände spoilert.


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