„Die wandernde Erde“
Autor: Cixin Liu
418 Seiten / eBook
ISBN: 3453319249
Verlag: Heyne
[Werbung, da Rezensionsexemplar]

Als Wissenschaftler herausfinden, dass die Sonne schon bald erlöschen wird, schmiedet die Menschheit einen waghalsigen Plan. Mithilfe gewaltiger Raketentriebwerke soll die Erde aus ihrer Umlaufbahn herausgerissen werden, um in den Weiten des Alls nach einem neuen Heimatstern zu suchen. Und so begibt sich unser Planet auf eine lange, gefährliche Wanderschaft … 

In »Die wandernde Erde« sind elf meisterhafte und preisgekrönte Erzählungen vom Autor des Sensationsromans »Die drei Sonnen« versammelt. 

1. Die wandernde Erde (41 Seiten)

Wissenschaftler sagen voraus, dass die Sonne in das Stadium eines Roten Riesen übergehen wird. Die Menschheit setzt daraufhin alle Hebel in Bewegung, um die Erde von der Sonne wegzutransportieren. Zuerst halten sie die Erde an. Danach manövrieren sie sie auf eine Laufbahn um die Sonne, um die Erde stark genug zu beschleunigen, um der Anziehungskraft der Sonne entfliehen und unser Sonnensystem verlassen zu können. Beschrieben wird alles aus Sicht eines nicht näher benannten Ich-Erzählers, von seiner Kindheit bis ins hohe Alter. Die Menschen leben unterirdisch, besuchen die Oberfläche nur zu bestimmten Zeiten. Am Ende bringen sie ihre Anführer um, weil die angeblich das Sterben der Sonne falsch vorhergesagt haben, nur um dann doch Recht zu behalten. So richtig kann ich diese Geschichte nicht einordnen. Weder die Gesellschaft noch so richtig das Leben unter der Erdoberfläche werden wirklich näher beleuchtet. Alles wird nur so grob angerissen. Hm, ich bin eher enttäuscht.

2. Gipfelstürmer (37 Seiten)

Zwei Marinesoldaten unterhalten sich an Bord ihres Schiffes auf hoher See über Berge, als ein Alienraumschiff sich der Erde nähert und sich in einen synchronen Orbit einparkt. Seine Gravitation reißt ein Loch in die Atmosphäre und erzeugt auf dem Ozean eine riesige stillstehende Welle, die höher ist als der Mount Everest. Feng Fan, begeisterter Bergsteiger, beschließt von Bord zu gehen und diese Welle zu erklimmen. Oben angekommen nehmen die Aliens mit ihm Kontakt auf und erzählen ihm die Geschichte ihres Volkes. In dieser Erzählung spielt Liu mit vielen wissenschaftlichen Theorien, was das ganze eher anstrengend als unterhaltsam macht. So richtig hat sich mir der Sinn dieser Erzählung nicht erschlossen.

3. Das Ende der Kreidezeit (42 Seiten)

Das Ende der Kreidezeit erzählt die Geschichte vom Aussterben der Dinosaurier und gehört zur Kurzgeschichte Der Weltenzerstörer. Dabei entwickeln sich die Ameisen und die Dinosaurier in Symbiose und errichten eine gigantische Zivilisation. Während die Dinosaurier alles in großem Maßstabe erledigen, benötigen sie für die feineren Dinge die Hilfe der Ameisen. Am Ende beschließen die Ameisen jedoch in Streik zu treten, auf den die Dinosaurier mit Krieg reagieren und einige Ameisenstädte vernichten. Die Ameisen planen daraufhin die komplette Auslöschung aller Dinosaurier, ignorieren dabei aber die Wechselwirkungen ihrer Symbiose mit den Dinos und hören auch nicht auf warnende Stimmen. Es kommt wie es kommen muss und die Dinosaurier werden ausgelöscht während die große Zivilisation der Ameisen untergeht und sich zurückentwickelt. Diese Geschichte hat mir sehr gut gefallen. Auch wenn im Schlusswort zwei Ameisen darüber philosphieren, ob es jemals wieder eine Spezies geben wird, die sich so entwickeln wird wie die Dinosaurier, so sind die warnenden Worte in dieser Erzählung leider sehr sehr nahe an der Realität.

4. Die Sonne Chinas (40 Seiten)

Shuiwa, ein junger Mann kommt aus dem Dorf in die Großstadt. Er hat sein Dorf hinter sich gelassen, weil das Leben dort hart und voller Entbehrungen ist. Er schafft es bis nach Peking, wo er Fensterputzer für Wolkenkratzer wird. Gleichzeitig ist ein Freund, mit dem er nach Peking gekommen ist, Leiter eines Projekts namens Die Sonne Chinas, eine große Solarkonstruktion in einem geosynchronen Orbit, das durch Eingriffe in das Wetter in sehr trocknen Gebieten Chinas mehr Regen bringen soll. Da die Solarpanelfläche verschmutzt, soll Shuiwa zusammen mit seinen Kollegen ins Weltall fliegen und die Panels putzen. Es entbrandet eine riesige Diskussion darüber, dass einfache Menschen ohne einen Universitätsabschluss ins All fliegen sollen. Dabei ist es eben genau die praktische Erfahrung und die Anpassungsfähigkeit dieser Spinnenmenschen genannten Scheibenputzer, die sie für diese Arbeit qualifiziert. Und so fliegt Shuiwa ins All und von einem einfachen Bauernjungen werden er und seine Kollegen zu Ikonen einer neuen Ära.

Diese Geschichte hat mir sehr gut gefallen.

5. Um die Götter muss man sich kümmern (35 Seiten)

Zwei Milliarden Götter landen auf der Erde. Sie sind alt und gebrechlich und stehen kurz vorm Sterben. Sie haben in weiser Voraussicht um ihre eigene Sterblichkeit das Leben auf der Erde geschaffen, um hier ihre letzten Tage zu verbringen. Sie bieten ihr gesamtes Wissen und ihre gesamte Technologie im Austausch dafür, dass sie auf der Erde bleiben können. Jeder Gott bei einer Familie.

Diese Geschichte hat mich unsagbar berührt und dient als gute Fabel dafür, wie schlecht wir mit den alten Menschen unserer Gesellschaft umgehen. Wie wir sie als Last empfinden und sie respektlos behandeln. Kein echtes Scifi, aber eine schöne Erzählung, die zum Nachdenken anregt, auch wenn die Moral der Geschichte am Ende doch eine ganz andere ist.

6. Fluch 5.0 (23 Seiten)

Eine junge Frau programmiert einen Computervirus, den Fluch 1.0, um sich an einem Mann zu rächen. In der Geschichte geht es um die Evolution dieses Virus bis hin zur vollständigen Vernichtung der Menschheit. Parallel dazu folgen wir den scheiternden Karrieren der beiden Autoren Cixin Liu und Pan Dajiao (Pan Haitian?). Liu wird dabei als Hard-SF-Schreiberling bezeichnet, was ich persönlich nicht unbedingt nachvollziehen kann. Besonders nicht, wenn man die einzelnen Erzählungen dieses Bandes miteinander vergleicht. Die Warnung davor, die gesamte Menschheit zu vernetzen und zu sehr von Computern abhängig zu machen, wüsste ich wesentlich mehr zu schätzen, wäre die Geschichte nicht gespickt gewesen mit echt dämlichen frauenfeindlichen Kommentaren. Falls jemand meine Augäpfel findet, die hätte ich gern wieder. Die sind mir vor lauter Augenverdrehen rausgefallen.

7. Das Mikrozeitalter (26 Seiten)

Die Fortsetzung zur Geschichte Die wandernde Erde. Der Vorreiter kehrt als einziger Überlebender einer Raumschiffarche zur Erde zurück, wo mittlerweile 25000 Jahre vergangen sind. Ignorieren wir mal die Sache mit der Lichtgeschwindigkeit, so hat mir diese Geschichte echt gut gefallen. Die Idee, mit der Liu hier spielt hinsichtlich der Evolution der Menschheit zu intelligenten Mikroorganismen, denen es an nichts fehlt, fand ich echt gut. Bis jetzt die Erzählung im Buch, die mir am besten gefallen hat.

8. Weltenzerstörer (36 Seiten)

Der Weltenzerstörer wurde bereits letztes Jahr einzeln herausgegeben und von mir hier besprochen.

9. Die Versorgung der Menschheit (47 Seiten)

In dieser Erzählung werden die Ereignisse aus der Geschichte Um die Götter muss man sich kümmern fortgeführt. Der Leser folgt der Geschichte durch die Augen von Glattrohr, einem Auftragsmörder. Er wird von den 13 reichsten Menschen der Erde aufgefordert, drei der ärmsten Menschen zu töten. Dabei analysiert er die Auswirkungen der Kluft zwischen arm und reich. Hier ist sicherlich eine Fabel mit einer Warnung verborgen, aber so richtig erschlossen hat sich mir diese Geschichte nicht.

10. Durch die Erde zum Mond (40 Seiten)

Durch die Erde zum Mond gehört zur Kurzgeschichte Mit ihren Augen. Die Menschheit baut einen riesigen Tunnel von China in die Antarktis, nachdem sie einen neuen Festkörperzustand entdeckt hat. Diese Erzählung ist stark angelehnt an Jules Vernes Geschichte Von der Erde zum Mond, in welcher Menschen mit einer riesigen Kanone ins Weltall geschossen werden. Es liest sich ziemlich schräg, muss ich gestehen.

11. Mit ihren Augen (17 Seiten)

Ein Astronaut begibt sich für einen Kurzurlaub zur Erde. Dabei nimmt er eine sensorische Brille mit, die seine Eindrücke und Empfindungen an eine junge Frau weiterleitet, die nicht selbst auf der Erde sein kann. Die Geschichte ist recht philosophisch angehaut, allerdings bedient sich Liu hier des Manic Pixie Dream Girl in Form der jungen Frau, die dem männlichen Protagonisten die Augen öffnet für die Schönheiten der Welt und der einfachen Dinge. Selbst der Twist über die junge Frau konnte aus dieser kurzen Geschichte nichts besonderes machen, auch wenn es sich ganz nett liest.

Die wandernde Erde liefert 11 Erzählungen ganz unterschiedlicher Coleur von Cixin Liu. Ein Rezensent auf GoodReads schrieb in einem seiner Updates, dass er dieses Buch einfach unter dem Gesichtspunkt des Ultraunrealismus liest und dem muss ich beipflichten. Die Erzählungen sind ganz klar phantastisch, könnten aber kaum weiter von echter Science Fiction entfernt sein. Die einzelnen Erzählungen haben mir ganz unterschiedlich gefallen, wobei ich Das Mikrozeitalter besonders gut fand. Vielleicht fehlte mir bei der ein oder anderen Geschichte tatsächlich der Bezug zu Chinas Kultur. Leseempfehlung für Liu-Fans, aber eher nix für Menschen, die sich mit seinen anderen Werken eher schwer getan haben.


Anmerkung: Da es sich bei diesem Buch um ein zur Verfügung gestelltes Rezensionsexemplar handelt, muss ich diesen Beitrag als Werbung kennzeichnen. Ich möchte allerdings versichern, dass die verfasste Rezension meine ehrliche Meinung wiedergibt und nicht von der Tatsache, dass es sich um ein Rezensionsexemplar handelt, beeinflusst wurde. Denn ganz ehrlich, Rezensionen hätten keinen Sinn, wenn sie nicht ehrlich wären. Ich bedanke mich beim Heyne Verlag und dem Bloggerportal für das Rezensionsexemplar.

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