„The Martian Obelisk“
Autorin: Linda Nagata
23 Seiten / eBook Kurzgeschichte
Sprache: Englisch
Deutsche Übersetzung verfügbar? – Nein
EAN: 9781250162403
Verlag: Tor Books

A powerful science fiction story about an architect on Earth commissioned to create (via long distance) a masterwork with materials from the last abandoned Martian colony, a monument that will last thousands of years longer than Earth, which is dying.

Ender von sf-lit hat im ScifiNet-Forum Linda Nagatas Roman Morgengrauen (Red #1) vorgestellt. Die Autorin hatte ich so noch gar nicht auf dem Schirm. Nicht nur, dass ich Morgengrauen direkt bei Genialokal als eBook erstanden habe, auch zwei weitere Geschichten von Linda Nagata durften auf meinem eReader einziehen. Eine davon war die Kurzgeschichte The Martian Obelisk, die es auch kostenlos hier gibt, aber für die ich auch gern meine 99 Cent gezahlt habe. Die Inhaltsangabe klang einfach nett. Und die Geschichte zog mich sofort in ihren Bann. Der Schreibstil ist schnörkellos und sehr ruhig, er hat fast etwas prosaisches ohne dabei zu überladen-bildhaft daherzukommen. Architektin Susannah Li-Langford, achtzig Jahre alt. Sie lebt in einer Welt, die durch Unwetter, resistente Viren und die zunehmende Stärke der Naturgewalten dem Ende geweiht ist. Es ist eine Welt, die am Ende von dem stehen wird, was nach uns kommt. Schon jetzt kämpfen wir mit heißeren Sommern, längeren Trockenperioden und extremen Unwettern. Die Auswirkungen auf die Lebensmittelproduktion sind gigantisch, wenn auch für uns in unserer Luxus-Blase kaum spürbar. Diese Welt hat Susannah alles gekostet. Ihre Kinder sind tot. Ihr Mann ebenfalls. Hoffnung gibt es keine mehr. Nirgends.

Things had just gotten worse, and worse still, and people gave up. Not everyone, not all at once—there was no single event marking the beginning of the end—but there was a sense of inevitability about the direction history had taken.

Einzig ihr Projekt, den Obelisk auf dem Mars zu bauen, ein Monument das tausend Jahre bestehen und ein letztes Zeugnis von der Größe der Spezies Mensch, hält sie irgendwie am Laufen. Ihr Auftraggeber Nathaniel, selbst auch schon über achtzig Jahre alt, hängt ebenso am Erfolg dieses Projekts.

Aber dann taucht die Frage auf, für was man sich entscheidet: das Monument oder das Leben?

“We humans are amazing,” she mused, “in our endless ability to lie to ourselves.”

Und dabei streut Nagata etwas Hoffnung in die Geschichte ein. Hoffnung, die eigentlich niemand mehr haben möchte.

“There’s a lesson for us in that. We assume we can see forward to tomorrow, but we can’t. We can’t ever really know what’s to come—and we can’t know what we might do, until we try.”

Der ruhige Erzählstil wird bis zum Ende beibehalten. Man kann sich dem menschlichen Faktor dieser kurzen Geschichte einfach nicht entziehen. Man weiß nicht, ob diese gefühlte Beklemmung Traurigkeit oder Hoffnung ist. Und das Schlimme ist – bei guten Kurzgeschichten ist das eigentlich immer der Fall – man will mehr davon. Mehr von der Traurigkeit. Mehr von der Hoffnung. Mehr von dieser Klaustrophobie, auf einem Planeten eingesperrt zu sein, der stirbt.

Die Kurzgeschichte ist eine der Finalisten der Hugo Awards 2018 gewesen und meines Erachtens absolut zu Recht. Sie hat alles, was eine Kurzgeschichte ausmacht und die Autorin verdient definitiv mehr Aufmerksamkeit.

 

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