„Höllendämmerung“
Originaltitel: Sandman Slim
Autor: Richard Kadrey
428 Seiten / kartoniert
ISBN: 3499256681
Verlag: Rowohlt

Früher war Stark der beste Magier von Los Angeles. Bis ein Konkurrent seine Freundin ermordet und ihn – im Wortsinn – zur Hölle schickt. Als Stark nach zehn Jahren die Flucht gelingt, kennt er nur ein Ziel: Rache. Und wer in der Unterwelt überlebt, ist eigentlich gegen jeden Gegner gewappnet. Doch neben Menschen, Engeln und Teufeln treibt noch eine weitere Spezies in L.A. ihr Unwesen, vor deren Bosheit alle Höllenfeuer verblassen.

Gutem Urban Fantasy à la Dresden Files bin ich nicht abgeneigt. Einer Hauptfigur vom Typ Harry Dresden ebenfalls nicht. Wer mich kennt, weiß ja, dass ich die Dresden Files Reihe schon drölfzigtausendmal gelesen habe und absolut liebe. Bei Sandman Slim sind wir allerdings in einer anderen Liga. Bis kurz vor Ende des Buches war ich der Ansicht, dass der Titel eigentlich „Arschlochbuch der Arschlöcher“ lauten sollte, denn in dem Buch war so ungefähr jede Figur ein Arschloch. Irgendwie. Es dauerte eine Weile, bis ich in die Geschichte reinkam und vor allem mit James ‚Sandman Slim‘ Stark überhaupt warm wurde. Die letzten 50 Seiten rissen das Steuer aber rum.

James Stark war Magier und wurde von seinen Magier’freunden‘ in die Hölle geschickt. Ja, wortwörtlich. Dort wurde er nicht nur misshandelt sondern kämpfte in der Arena zur Unterhaltung von Luzifers Generälen gegen allen möglichen Dämonen. Irgendwann erfährt er, dass seine Freundin Alice umgebracht worden ist und er flieht aus der Hölle um ihren Tod zu rächen. Dass in der Zwischenzeit 11 Jahre vergangen sind, ist dabei wohl egal und dass dieses Disposable Women-Trope eigentlich total ausgelutscht ist, sei jetzt auch mal dahingestellt.

Von Alice erfahren wir nicht viel, außer dass sie die große Liebe für den damals 19jährigen Stark war und nach dessen Verschwinden dran glauben musste, damit Stark wieder aus der Hölle hervorgelockt wird. Geiler Plot, nicht wahr? Ich weiß, ich weiß.

Anyway, Stark ist zurück und seine Kaltschnäuzigkeit und sein mir-doch-egal-Denken sind zwar extrem unterhaltsam, aber an manchen Stellen auch etwas anstrengend. Andererseits musste ich doch einige Male laut auflachen…ja, ich habe richtig geLOLt und Starks Missachtung jeglicher Autorität Göttlichkeit Respektlosigkeit gegenüber Engeln und Luzifer himself fand ich richig schön passend. Er kuscht in der Tat für niemanden.

Auch die Nebenfiguren machten einiges her. Vidoqc, ein Alchemist, der sich versehentlich unsterblich gemacht hat und seitdem daran arbeitet, wieder sterblich zu werden. Kinski, der Doktor für alles Übernatürliche (da steckt mehr dahinter, aber ich mag Euch nicht spoilern). Candy, eine Jade, was eine Art Vampir ist, die auf Entzug ist, weil sie kein Menschenblut mehr trinken will. Ehrlich mal, die fand ich so richtig cool. Kasabian, der geköpft wird und danach sein Dasein im Schrank bei Werbedauersendungen fristen muss (Harry Dresden und Bob der Schädel lassen grüßen).

Ja, das hatte irgendwie was.

Die letzten 50 Seiten haben meine Bewertung nochmal um einen Stern angehoben und ich muss sagen, dass ich mich auf Band 2 freue. Die Aussicht, auf ein Mehr von Figuren, Handlungssträngen und vielleicht doch einer größeren geschaffenen Welt, ist verlockend. Wenn man es genau nimmt, waren die ersten 3 Harry Dresden-Bande ja auch eher mittelprächtig, bis sich die epischen Proportionen so langsam abzuzeichnen anfingen. Ich hoffe jetzt einfach mal, dass dies bei der Sandman Slim-Reihe genauso sein wird. Immerhin bietet es Entwicklungsmöglichkeiten für die Hauptfigur und vielleicht werden Stark und ich ja doch noch Freunde. Also…irgendwie. Ansonsten, bitte mehr von Candy and I’m good.

Die rasante Handlung gespickt mit äußerst lustigen Sprüchen, hilft darüber hinweg, dass Stark nicht unbedingt die sympathischste Hauptfigur ist. Das Buch ist schnell gelesen, verschafft den einen oder anderen Lacher und macht trotz allem Appetit auf mehr. Ich bin gespannt.

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