Rezension

Record of a Spaceborn few (Wayfarers #3) – Becky Chambers

„Record of a Spaceborn Few“
Autorin: Becky Chambers
359 Seiten / Taschenbuch
Sprache: Englisch
ISBN: 1473647614
Verlag: Hodder And Stoughton Ltd.

Worum geht’s?

From the ground, we stand. From our ship, we live.
By the stars, we hope
Hundreds of years ago, the last humans left Earth. After centuries wandering empty space, humanity was welcomed – mostly – by the species that govern the Milky Way, and their generational journey came to an end.

But this is old history. Today, the Exodus Fleet is a living relic, a place many are from but few outsiders have seen. When a disaster rocks this already fragile community, those Exodans who have not yet left for alien cities struggle to find their way in an uncertain future. Among them are a mother, a young apprentice, an alien academic, a caretaker for the dead, a man searching for a place to belong, and an archivist, who ensures no one’s story is forgotten. Each has their own voice, but all seek answers to inescapable questions:

Why remain among the stars when there are habitable worlds within reach? And what is the purpose of a ship that has reached its destination?

Meinung

Becky Chambers ist für mich ein Synonym für Scifi-Literatur geworden, die sich auf Figuren fokussiert und mich mit dem wohligen Gefühl zurücklässt, zu Hause zu sein.

Mit Band 3 Record of a Spaceborn Few kehren wir erneut zurück ins Wayfarer-Universum und während auch dieses Buch als Stand-alone funktioniert, so ist es doch ein weiteres wunderbares Puzzleteil des Universums, das sie mit The Long Way to a Small, Angry Planet erschaffen und A Closed and Common Orbit weiter ausgebaut hat. Band 3 ist erneut keine Fortsetzung im eigentlichen Sinne. Die Handlung findet parallel zu den letzten Momenten von Band 1 statt. Dieses Mal folgen wir allerdings der Exodus-Flotte, von welcher Captain Ashby aus Band 1 entstammt. Die Exodus-Flotte ist eine Flotte von mehreren Generationenschiffen, die von der Erde ins All geflüchtet sind. Während sich besser situierte Menschen auf Mars und Titan oder dem Mond niedergelassen haben, flüchtete der Rest an Bord dieser Generationenschiffe um eine neue Heimat zu finden.

Wer mich kennt, weiß vielleicht, dass ich Geschichten über Generationenschiffe liebe, besonders dann, wenn das Augenmerk nicht auf der ersten Generation oder der letzten liegt sondern den Zwischengenerationen. Bei der Exodus-Flotte wirft jedoch Becky Chambers die Frage in den Raum, was denn aus den Menschen der Flotte wird, wenn sie Alienkontakt und Zugang zu vielen neuen bewohnbaren Planeten haben. Eine äußerst interessante Fragestellung und genau das macht auch den Reiz des Buches aus. Wir folgen mehreren Erzählperspektiven an Bord des Generationenschiffes Asteria. Da wäre zum einen Tessa, Mutter von zwei Kindern, die sich ihr Zuhause mit ihrem Vater teilt, während ihr Mann auf einem Transportschiff quer durchs Weltall reist. Sie ist außerdem die Schwester von Captain Ashby aus Band 1, der ab und zu auch erwähnt wird. Dann wäre da Isabell, eine Archivarin und damit verantwortlich für Namensgebungen und Geschichtsaufzeichnung. Sie lebt zusammen mit ihrer Frau Tamsin und beide sind nicht mehr die jüngsten. Eine weitere Perspektive bietet Eyas, die Caretaker ist. Ich weiß nicht, wie das ins Deutsche übersetzt werden wird, aber um ihren Job zu beschreiben könnte man sie wohl als Bestatterin bezeichnen. Hierzu sollte man wissen, dass in der Exodus-Flotte Tote kompostiert werden, sprich die Zersetzung des Körpers diente dazu, fruchtbaren Boden für die Pflanzen zu schaffen, die wiederrum die Flotte ernährten. Aus reiner Praktikabilität heraus geboren, ist Caretaking eine sehr angesehene Profession und bringt Eyas viel Respekt ein, auch jetzt noch beibehalten nachdem die Flotte eigentlich nicht mehr auf sich selbst angewiesen sein muss. Die letzten beiden Erzähler der Geschichte sind der 24 jährige Sawyer, ein Abkömmling von Exodanischen Menschen, die von der Flotte auf einen Planeten umgesiedelt sind, und der 16jährige Kip, der nicht so richtig weiß, was die Zukunft für ihn bereithalten wird und der verzweifelt seinen Weg sucht.

Eine bunte Mischung aufgeteilt auf 7 Teile, in denen jedes Kapitel von einem dieser Erzähler vorgebracht wird. Jeder der 7 Teile wird eingeleitet von der Berichterstattung von Ghuh’loloan Mok Chutp, einer Harmagianerin, die für das Reskit Institute of Interstellar Migration über die Exodus-Flotte berichtet. Ihre Perspektive fasst dabei Probleme und Fragen auf, die dem Leser vielleicht undeutlich vor Augen schweben, die man aber nicht sofort identifizieren kann.

Wie ich oben schon schrieb, liegt der Fokus des Buches stark auf den Figuren. Action gibt es keine. Ja, es gibt Konflikte, aber diese werden nicht mit Gewalt gelöst.

Becky Chambers setzt hier ihre klare Linie fort, dass die Figuren in der Lage sind, ihre Ängste und Sorgen zu lösen ohne dabei auf Gewalt reduziert zu sein. Manch ein Leser scheint genau das anzuprangern, dass doch alle viel zu vernünftig und zu erwachsen seien. Ich gehöre jedoch zu den Lesern, die es nicht ausstehen können, wenn Figuren aus ihren Problemchen ein riesiges Drama machen und darauf seitenweise herumreiten. Auch hier ist Becky Chambers einfach eine tolle und erfrischende Abwechslung.

Ich möchte vom Plot nicht zuviel vorweg nehmen bzw. zuviel zu den einzelnen Figuren zu sagen. Sawyers Geschichte hat mich persönlich von allen am tiefsten berührt. Sawyer, der mit der Hoffnung zur Flotte kommt, eine Zukunft und Sicherheit zu haben.

Die Grundfragen in allem sind jedoch, was passiert mit einer über Generationen hinweg etablierten Gesellschaft, wenn sie ihr Ziel erreicht. Was passiert, wenn die neuen Welten die Hälfte dieser Gesellschaft von der Flotte locken? Was passiert, wenn eine Gesellschaft, die auf reinen Tauschhandel ausgelegt ist, plötzlich mit einer galaktischen Währung konfrontiert wird? Was passiert, wenn ‚genug zum Leben‘ sich plötzlich gegenübergestellt sieht zu Dingen, die schon fast an Luxus grenzen? Was passiert, wenn Tradition allein nicht mehr alles zusammenhalten kann?

Becky Chambers liefert dazu zwar keine ultimative Antwort, aber sie lässt ihre Figuren Lösungen für sich selbst finden und diesem Entscheidungsfindungsprozess zu folgen, ist einfach toll.

Fazit

Keine Spacecowboys, keine Raumschlachten, keine große Alienbedrohung. Keine Dystopie. Keine Utopie. Einfach nur menschlich, voller Gefühl und positiv. Sehr geil. Ich freu mich auf Band 4.

4 Comments

    1. das ist es auch. Ich kann Dir diese Reihe nur wärmstens empfehlen. Was mir besonders gut gefällt (in der englischen Version jedenfalls) ist die Verwendung geschlechtsneutraler Pronomen. Xe/Xyr statt klassisches he und she, besonders wenn von Aliens die Rede ist. Das find ich einfach nur absolut genial. Das andere, was mir gefällt, ist ihre Zahl an weiblichen Figuren, die nicht das klassische Schönheitsideal erfüllen und durchaus auch (bei Isabel und Tamsin ist das der Fall) alt sind. Es ist wirklich toll. Ich verstehe immer nicht, wie manche Rezensenten die von Becky Chambers geschaffene Vision als zu unrealistisch ansehen, während Raumschiffe und Co. absolut ohne Hinterfragen angenommen werden. Weißt wie ich mein? Ihre Bücher sind echt eine Abwechslung auf dem Büchermarkt und können durchaus mit Romanen von etablierten Autorinnen wie NK Jemisin, Nnedi Okorafor und Ursuala K. LeGuin mithalten.

      1. Bei einem Science Fiction von unrealistisch zu reden finde ich äussert amüsant … 😉 … das ist wie der Streit, ob der Weihnachtsmann Schwarz oder weiss oder bräunlich ist … 😀 😀
        Unrealistisch vielleicht, weil ihre Menschen die Probleme nicht mit Mord und Totschlag lösen, das ist natürlich extrem … 😉

        1. es scheint mir auch so, dass viele damit partout nicht klarkommen, dass sich hier keine riesigen Dramaszenen abspielen. Von allen Universen, über die ich gelesen habe, ist das Wayfarer bisher das, in dem ich für mein Leben gern leben möchte.

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