Dies & Das

Frau Schnute, der Zucker, das LowCarb und der Genuss beim Essen

Ein Post, der sehr persönlichen Art.

Die Frau Schnute war mal dick. Nicht Größe 42-dick sondern Konfektionsgröße 56/58 dick. Gewichtsmäßig heißt das, dass ich irgendwann mal 120kg mit mir rumgeschleppt habe. Wann das los ging? Nun, recht früh als Kind. Meine Mutter war irgendwie immer auf Diät. Schon früh bekam ich also mit, dass Gewicht und Nicht-Dicksein von Bedeutung sind. Vor einem größeren Wachstumsschub war ich mit 9 oder so allenfalls pummelig, aber da bekam ich das erste Mal mit, wie die Freundin einer Klassenkameradin sich auf dem Pausenhof über mich lustig machte, weil ich so ‚fett‘ sei. Ich aß also weniger. Mit 12 war ich dünn. Mit 15 gertenschlank. Soweit, so gut. Dann der erste Freund, die Pille, schwupps, gingen Kilos rauf. Meine Frauenärztin meinte damals, dass ich halt einfach nur fressen würde. So glaubte ich das und gab mich so Dingen wie Slim Fast und all dem anderen Wunderkram hin, der mir aber gar nichts brachte. Mit Anfang 20 war ich dann schön im oberen 80kg-Bereich angekommen und von da ging es langsam aber stetig weiter hoch, das liebe Gewicht. Dass mir damals mit 15 die falsche Pille verschrieben worden ist, was ich erst sehr viel später herausfand, darüber ärgere ich mich mittlerweile gar nicht mehr.

Nun war ich schon immer und bin es noch, bekennender Sportmuffel. Ich hasse Sport. Ich bewege mich gern, aber Sport find ich ätzend. Mittlerweile kann ich das zugeben, ohne mich dabei wie der größte Versager zu fühlen. Recht früh wurde bei mir Mitte 20 Hashimoto diagnostiziert, eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse. Ende 20 kam dann beim Thema Kinderwunsch schnell eine weitere Diagnose hinzu: PCOS. Prima dachte ich mir, da haste ja das volle Programm abbekommen. PCOS geht gern mit einer Insulinresistenz einher, also waren meine Ärzte so aufmerksam, darauf zu testen. Nüchtern morgens zum Arzt, Zuckersaft trinken, der zu dem Zeitpunkt schon göttlich schmeckte, weil ich morgens grundsätzlich unterzuckert war, bis das Frühstück auf den Tisch kam. 3 Stunden wurde dann Blut abgenommen im Abstand von einer Stunde. Danach gings in die Kantine der Klinik, erstmal was g’scheits essen.

Eine Woche später wusste ich dann, dass ich insulinresistent war und damit der Diabetes nicht mehr so weit entfernt lag. Ich wurde auf Metformin eingestellt, das ich nicht vertrug. Egal welcher Hersteller, mir gings damit hundeelend. Für mein PCOS wurde ich von meiner Frauenärztin auf eine spezielle antiandrogene Pille umgestellt und die typischen Symptome wie unreine Haut und Bartwuchs (ja, ich musste mich ehrlich rasieren im Gesicht, weils so schlimm war) verschwanden. Yay. Die erste Hürde war genommen. Aber die IR hing über mir wie ein Damoklesschwert. Metformin war nun aus dem Rennen und eines Tages, ich weiß sogar noch das genaue Datum, erzählte mir meine Nichte (die wie meine Schwester Weight Watchers machte – was ich auch mal versucht hatte, aber das so gar nicht funktionierte), dass sie das erste Mal ein niedrigeres Gewich erreicht hat. Da dachte ich mir, prima, jetzt musst Du einfach endlich mal was machen.

Abends das Internet angeschaltet, die LOGI-Methode aufgerufen (die kannte ich nämlich schon von früher, hab sie aber nie ernsthaft angegangen) und dachte mir, jo, das machste ab morgen. Und das tat ich dann. Ich wollte einfach nicht mit 40 schon Diabetes bekommen. Ganz ehrlich, davor grauts mir mordsmäßig.

Statt Kartoffeln und Gemüse gabs auf dem Teller nur noch Gemüse. Dazu eine Eiweißportion (Fleisch, Eier, Frischkäse, Käse, sowas halt) und Fett zum satt bleiben. Statt Margarine gabs richtige Butter. Gebraten wurde in Butterschmalz oder Kokosöl. Zum Frühstück gabs statt Vollkornbrötchen oder -toast Vollfett-Quark mit Beerenobst und Haferkleie. Zum ersten Mal hielt mich eine Mahlzeit länger satt (bis zu 6 Stunden). Und zum ersten Mal bedeutete Hunger einfach nur Magenknurren statt zittrig werden, Übelkeit und schlechter Laune. So lebte ich also vor mich hin. Ich hatte gerade eine für mich äußerst ungesunde Beziehung beendet. Meine Wohnung komplett neu renoviert und möbliert. Das erste Mal selbst eine Küche gekauft und zusammengebaut und und und. Ich fühlte mich gut. Mir ging es gut. Und dann waren plötzlich 5kg weg. Mein Startgewicht damals waren 104kg. Zu Höchstzeiten hatte ich wie oben geschrieben 120. Mein Gewicht war immer sehr starken Schwankungen unterworfen, weswegen ich dem ganzen erstmal keine Beachtung schenkte. Dann waren weitere 5kg weg und ich dachte mir, das muss ich mir genauer anschauen. Von da ab wog ich mich jeden Monat einmal und vermaß mich. Im Februar hatte ich angefangen und im November hatte ich bereits 17kg abgenommen einfach so. Mein Ziel waren damals 75kg und nach insgesamt 18 Monaten hatte ich das sogar überschritten und war bei 71kg angekommen. Von Kleidergröße 56/58 runter auf 38. DAS war krass.

Weil es einem oftmals nicht geglaubt wird, mal ein schönes Foto dazu:

Das verrückte an dem Foto links ist, dass da eine Torte steht. Ich war immer jedes Jahr mit Freunden im Sommer beim Camping und eine Freundin hatte da fast jedes Mal Geburtstag. Das war ihre Geburtstagstorte. Natürlich aß ich ein Stück davon, aber Torten und Kuchen gehörten schon damals nicht zu meinem täglichen Speiseplan. Ich aß wie es die meisten Menschen tun und dabei noch nicht mal übermäßig Junkfood oder ungesunde Sachen. Nur waren es für mich die falschen Dinge. Und ich hatte grundsätzlich ein schlechtes Gewissen, wenn ich mal Schokolade aß, oder Chips…oder wie auf dem Foto bei dem Stück Torte. Daher wahrscheinlich auch der grantige Gesichtsausdruck im Foto.

Mittlerweile hat sich mein Gewicht eingependelt. Meine Schilddrüse war lange gut eingestellt und ruhig, allerdings habe ich, als ich endlich schlank war, auch angefangen rumzuexperimentieren. Ausdauersport und ketogene Ernährung, intermittierendes Fasten. Ich war für eine Weile dem Selbstoptimierungswahn verfallen. Dabei schrottete ich mir meine Schilddrüsen-Wohlfühlwerte. Und zwar so richtig. Daran knabbere ich übrigens immer noch aber das werde ich in den Griff kriegen.

Die Selbstoptimierung kann mich mal. Auch jegliche Form des Dogma, wenn es um Ernährung geht, kann mich mal. Ich ernähre mich immer noch moderat LowCarb, sprich ich bin weder streng ketogen unterwegs noch tracke ich meine Kalorien und Makronährstoffe. Für die hab ich mittlerweile ein ganz gutes Augenmaß entwickelt.

Warum also dieser Post? Weil der Felix von Urgeschmack heute einen schönen Beitrag schrieb zum Thema Zucker, den Ihr gern hier nachlesen könnt. Und weil eine Insulinresistenz lange Zeit unerkannt bleiben kann, wenn man nicht gezielt danach sucht. Was das mit dem Thema Dick sein zu tun hat? Nun, Insulin ist ein Hormon, das im Körper Fett aufbauen kann, eine sogenannte adipogene Wirkung hat. Und wenn das Insulin die Glucose nicht dahin transportieren kann, wo sie hin soll, weil die Zellen resistent dagegen sind, dann nimmt man zu. Man kann sich also ’normal‘ ernähren, sich manchmal sogar viel bewegen und trotzdem stark übergewichtig sein. Meistens bekommt man dann von Ärzten und dem Umfeld dann gesagt, dass man sich doch selbst belügt und doch gar nicht so dick sein könnte, wenn man sich normal ernähren würde. Doch, kann man. Ich hab mir da oft viel einreden lassen und als Ergebnis fühlte ich mich einfach nur dauerhaft als Versager. Jetzt isses mir alles wurscht. Ich lebe so, wie es mir gut tut, was mein Gewicht konstant hält und meine Blutwerte (besonders Cholesterin) bilderbuchhaft hält. Meine Fettleber hat sich dadurch übrigens auch in Wohlgefallen aufgelöst.

Kann ich ohne Brot und Nudeln und Kartoffeln? Ja, kann ich. Will ich? Nein. Sie sind alle noch Teil meines Speiseplans nur eben nicht mehr des täglichen. Wenn ich essen gehe, achte ich oftmals schon darauf, was ich bestelle, aber manchmal gönne ich mir auch einfach nur das, was mich gerade anlacht. (Heute abend werden das geschmorte Ochsenbacken mit Kartoffel-Bärlauchstampf sein, weil der Lieblingsmensch und ich mal wieder einen Dateabend im Lieblingslokal machen werden). Gibts dazu ein Glas Wein? Vielleicht. Aber ein Rharbarberschorle kanns auch werden. Auf beides hätte ich Appetit.

Das, worauf ich aber am meisten stolz bin, ist meine persönliche Entwicklung in den letzten Jahren, die zeitgleich mit meiner Abnahme passierte. Ich bin heute ein zufriedener Mensch. Mit mir selbst im Reinen und mit meiner Umwelt größtenteils auch. Und wer sich allgemein mehr für das Thema Ernährung interessiert, dem lege ich die LOGI-Methode ans Herz. Es gibt auch noch striktes LowCarb (LCHF), das ich persönlich aber als viel zu restriktiv empfinde. Und auch noch Paleo LowCarb oder Foodpunk. Aber ich persönlich habe mit LOGI angefangen und bin nach einigen Umwegen auch wieder da gelandet, weil es intuitiv ist und mir es dabei an nichts mangelt. Außerdem mach es aus dem ganzen echt keine Wissenschaft und ist damit wirklich dauerhaft alltagstauglich.

4 Comments

  1. Wow! Ich meine, ich habe einen Konfektionsgrößenunterschied von ehemals 34 (muss echt nicht sein) und 38/40 zu „verdauen“ Ich hasse es, wie ich mich überhaupt darum schere, aber in der Arbeitswelt ist Dicksein bei Frauen regelrecht geächtet, ich bin selbstständig und fühle mich entsprechend unter Druck. Insofern scheint mir Essen immer noch ein Zusatzjob, vor allem, wenn ich so richtig im Stress bin (denn dann nehme ich auch gleich zu). Ich finde es wirklich irre, wie Du das geschafft hast. Dennoch (und da spielen natürlich meine eigenen Erfahrungen – und viel schlechte Laune – mit): Du warst auch mit 120 Kilo die, die Du bist. Kein Looser, keine doofe Person. Einfach Du.

  2. Der Unterschied auf den Photos ist wirklich heftig!

    Ich habe auch eine Weile lockeres LowCarb praktiziert und war äußerst erstaunt, wie da die Pfunde purzelten, ohne dass ich mich irgendwie quälen oder anstrengen musste. Ich habe sogar heimlich weiter Süßigkeiten futtern können und wurde trotzdem immer schlanker …

    Sollte ich mal wieder mit anfangen 😉

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