Rezension

Die Kinder der Zeit – Adrian Tchaikovsky

„Die Kinder der Zeit“
Originaltitel: Children of Time
Autor: Adrian Tchaikovsky
670 Seiten / Taschenbuch
ISBN: 3453318986
Verlag: Heyne

Worum geht’s?

Die letzten Menschen haben eine sterbende Erde verlassen, um in den Tiefen des Alls ein neues Zuhause zu finden. Als sie auf den Planeten Eden stoßen, scheint ihnen das Glück sicher: ideale Konditionen und eine florierende Ökosphäre. Doch was sie nicht wissen – es waren bereits Menschen hier gewesen, vor langer Zeit. Menschen, die Eden als Versuchsplaneten für ein vermessenes Projekt künstlicher Evolution ausersehen hatten. Doch ihr Experiment damals hat ungeahnte Spuren hinterlassen, und nun treffen ihre Nachfahren auf die vergessenen Kinder ihres Versuchs. Wer von ihnen wird das Erbe von Eden antreten?

Meinung

Es ist wahrscheinlich kein gutes Buch für Arachnophobiker mit ausgeprägter Fantasie. Ja, es geht um Spinnen. Unter anderem. Ich selbst habe Angst vor Spinnen, gehöre aber zu den Menschen, die mittlerweile in der Lage sind, ein Glas drüber zu stülpen und die Tierchen nach draußen zu befördern. Auch wenn ich dabei spastisch vor mich hinzuckend den Tanz des Ekels vollführe. Im Fernsehen kann ich bei Vogelspinnen und Co. auch nicht unbedingt hinschauen. Für mich war das Buch aber ok. Immerhin habe ich auch die Dragon Age Videospiele überlebt (wenn auch ganz rausgezoomt und mit halb zusammengekniffenen Augen, und Puls 200). Das alles nur als Hinweis vorab, damit man einen Vergleich hat was das Thema Arachnophobie angeht.

Kommen wir also mal zum Buch an sich und gleich vorweg etwas, das mich mächtig gestört hat: es gab für mich keine Figur, an der ich mich als Leser gern orientiert habe. Erzählt wird die Geschichte der Menschen auf der Gilgamesch aus der Sicht eines Historikers an Bord des Generationschiffs, aber irgendwie bin ich mit ihm nicht sehr warm geworden. Überhaupt ist keine der menschlichen Figuren so richtig sympathisch, auch wenn der rapide Verfall der Menschen an Bord faszinierend zu beobachten war, fand ich die Geschehnisse auf dem Planeten sehr viel faszinierender. Kurz gesagt, Eden ist ein Planet, der terrageformt wurde und auf dem Affen und ein Nanovirus ausgesetzt werden sollten, um den Planeten zu bevölkern und sich über die Evolution hinweg zu besseren Menschen zu entwickeln. Das klappte nur in Teilen. Der Nanovirus kam an, die Affen nicht. Und wie Viren halt nun mal so sind, sie suchen sich einen passenden Wirt. In dem Fall sind es Arachniden. Wir verfolgen die Geschichte der Spinnen auf dem Planeten über Generationen hinweg. Ihre Entwicklung von einfachen Jägern zu einer Gesellschaft mit festen Struktueren, Vorstellungen, Forschungen und Ideen. Interessant ist dabei besonders, wie der Autor diese Entwicklung glaubhaft rüberbringt. Die Kultur, die sich entwickelt hat, ist nachvollziehbar im Rahmen der Spinnen und noch faszinierender fand ich die wissenschaftliche Neugier der Spinnen, die mit religiösem Glauben kollidierte. Ganz besonders klasse fand ich, dass das Matriachart vorherrschend ist und die männlichen Tiere hauptsächlich so beschrieben werden, wie über menschliche Frauen lang geschrieben wurde. Die Stellung des Männchens in der Spinnenkultur ist vergleichbar mit der Stellung der Frau in der Gesellschaft vor der Sufragettenbewegung. Dabei schreibt der Autor so natürlich darüber ohne das eine oder andere besonders hervorzuheben, dass ich manchmal schmunzeln musste.

Dass die Spinnen von Eden und die Menschen der Gilgamesch aufeinandertreffen, wird im Laufe des Buches immer klarer, wie das aber alles genau abläuft und wer am Ende gewinnt, das möchte ich nicht verraten, denn es macht doch zu einem Großteil den Reiz des Buches aus.

Fazit

Ich habe lange überlegt, welches Fazit ich für mich für dieses Buch ziehe. Es ist kein Buch, das ich ein zweites Mal lesen werde. Das heißt nicht, dass es ein schlechtes Buch war, ganz im Gegenteil. Die Ideen waren erfrischend anders und grad die Kultur der Spinnen hat mich wahnsinnig begeistert. Der Schreibstil war flüssig, wenn auch meiner Meinung einige Passagen unnötig waren und sich die Geschichte dadurch etwas in die Länge gezogen hat. Andererseits könnte man das natürlich auch als Teil des Evolutionsprozesses sehen, der ja bekanntlich Zeit braucht. Alles in allem ein gutes Buch, das sich vom Scifi-Einheitsbrei definitiv abhebt und eine klare Leseempfehlung für alle, die sich nicht an Spinnen stören und gern Figuren folgen, die nicht der Spezies Mensch angehören.

Bewertung

Anmerkung: Da es sich bei diesem Buch um ein zur Verfügung gestelltes Rezensionsexemplar handelt, muss ich diesen Beitrag als Werbung kennzeichnen. Ich möchte allerdings versichern, dass die verfasste Rezension meine ehrliche Meinung wiedergibt und nicht von der Tatsache, dass es sich um ein Rezensionsexemplar handelt, beeinflusst wurde. Denn ganz ehrlich, Rezensionen hätten keinen Sinn, wenn sie nicht ehrlich wären. Ich bedanke mich beim Heyne-Verlag und dem Bloggerportal für das Rezensionsexemplar.

 

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