Das King-Projekt Rezension

Doctor Sleep – Stephen King

„Doctor Sleep“
Autor: Stephen King
Originaltitel: Doctor Sleep
703 Seiten / Taschenbuch
ISBN: 3453438027
Verlag: Heyne

Worum geht’s?

Die große Fortsetzung von „Shining“
Auf Amerikas Highways ist eine mörderische Sekte unterwegs. Sie hat es auf Kinder abgesehen, die das Shining haben. Stephen King kehrt zu den Figuren und Szenarien eines seiner berühmtesten Romane zurück: Der Dreirad fahrende kleine Danny, der im Hotel Overlook so unter seinem besessenen Vater hat leiden müssen, ist erwachsen geworden. Aber die Vergangenheit lässt ihn nicht los, und wieder gerät er in einen Kampf zwischen Gut und Böse. Die zwölfjährige Abra hat das Shining. Kann er sie retten?

Meinung

Hach, was für ein Buch. Ich habs regelrecht verschlungen. Danny Torrance ist erwachsen geworden und teilweise in die Fußstapfen seines Vaters getreten…zumindest was den Alkoholismus betrifft. Er lässt sich treiben, driftet von Stadt zu Stadt und verweilt nirgendwo länger. Bis er seinen persönlichen Tiefpunkt erreicht, der ihn noch für viele Jahre danach nicht loslassen wird. Die Geschichte beginnt mit Danny und seiner Mutter Wendy im Anschluss an die Ereignisse von Shining. Dick Hallorann lehrt Danny, wie er die Geister, die ihn immer noch verfolgen, wegsperren kann und von da ab gelingt ihm das immer besser. Trotzdem verfolgen ihn immer wieder neue in der Nacht. Auf der Flucht vor sich selbst und seinen eigenen Dämonen, landet – mittlerweile – Dan in der Kleinstadt Frazier und zum ersten Mal seit langer Zeit sieht er seinen alten Freund Tony wieder, den der geneigte King-Leser bereits aus Shining kennt. In Frazier findet Dan so langsam eine Heimat und Freunde, in Form von Billy Freeman und seinem Boss Casey Kingsley. Kingsley, der selbst trockener Alkoholiker ist, nimmt Dan unter seine Fittiche und so verfolgen wir langsam Dans Genesung und Wandlung zum ebenfalls trockenen Alkoholiker. Von seinem kleinen Saisonjob im Vergnügungspark von Frazier wechselt Dan ins örtliche Hospiz, wo er sehr bald seinen Spitznamen Doctor Sleep erhält, weil er die sterbenden Menschen auf ihrem letzten Weg begleitet. Auch sein Shining lässt sich vor anderen nicht immer verbergen. Regelmäßig geht er zu den Treffen der AA, zusammen mit Casey, der sein Sponsor wird. Sehr schön ist hier der Weg eines Alkoholikers gezeichnet, vor allem glaubwürdig und mit viel Mitgefühl. Wer einen Alkoholiker kennt oder in der Familie hat, dem wird das sicherlich alles bekannt vorkommen.

Parallel dazu lernen wir den Wahren Knoten kennen, eine Gruppe von Wesen, die mit ihren Wohnmobilien durch das ganze Land fahren und Menschen, die das Shining haben, quasi verspeisen. Das Shining heißt beim Wahren Knoten Steam und ist im Grunde genommen das Nahrungsmittel, dass diesen Wesen ein unnatürlich langes Leben beschert. Um an dieses Steam zu kommen, foltern sie Menschen, bevorzugt Kinder und ermorden sie anschließend. An dieser Stelle kommt Abra ins Spiel, deren Shining stärker als das von Dan ist und deren Eltern schon früh, als Abra noch ein Baby ist, feststellen, dass ihre Tochter anders ist als andere. Wir verfolgen Abras Weg bis ins frühe Teenageralter. Die Verbindung zwischen Abra und Dan kommt auch sehr früh zustande und wird im Laufe des Buches auch immer mehr erklärt.

Zum Schluss ist der Wahre Knoten hinter Abra her, deren Steam so besonders stark ist, dass sie sich diese Nahrungsquelle nicht entgehen lassen wollen. Für den Showdown kehren wir zurück zum Overlook.

Fazit

Manch einer, der sich mit Kings ausschweifendem Schreibstil schwer tut und die Langatmigkeit der Bücher bemängelt, wird wahrscheinlich auch mit Doctor Sleep keine Freude haben, denn King lässt sich absolut Zeit, diese Geschichte zu erzählen. Mir selbst hat das Buch wahnsinnig gut gefallen und es war schön, Dans Weg zu verfolgen und zu überlegen, was gewesen wäre, wenn Jack in Shining einen Weg zu den AA gefunden hätte. Wie viel anders die Geschichte dann vielleicht verlaufen wäre. Ein echt toller King, den ich kaum zur Seite legen konnte. Besonders mit der Beschreibung der Figuren läuft King zu absoluten Höchstleistungen auf und so kann man sogar für den Wahren Knoten in gewisser Weise Mitgefühl empfinden, auch wenn sie die ‚Bösen‘ sind.

Bewertung

 

4 Comments

    1. Wah, liebe Bine, warum folge ich Deinem Buchblog noch nicht???? Das hab ich gleich mal geändert. Danke für Deine Rezension. *zufriedenseufz* es ist wirklich ein tolles Buch. Ich weiß nicht, ob King schon immer so genial war oder ob man als 40jährige anders drauf schaut als mit 18. Aber seine Bücher, auch die alten, sind einfach so voll von Menschenkenntnis und Erfahrung. Der Hammer!!!!

      1. Danke fürs Folgen <3

        Ich bin seit den 80ern Kingfiziert 😉 und war lange lange Zeit ganz allein auf weiter Flur mit meiner Vorliebe für ihn. Das hat sich erst in den letzten Jahren Gott sei Dank geändert! Es kann schon sein, dass man ihn anders wahrnimmt, wenn man älter ist. Mein Reread von Shining war auch ein ganz anderes Erlebnis, als beim ersten Lesen z.B. 🙂

        1. Ich hab meinen ersten King 1992 gelesen, aber ich weiß nicht mehr so hundertprozentig sicher, ob es Shining oder Friedhof der Kuscheltiere war. Aber schon mit 14 war mein Gedächtnis alles andere als gut xD es war jedenfalls eines von den beiden Büchern. Das andere folgte dann kurz darauf, weil ich auch kingifiziert war, allerdings hab ich glaube ich von Anfang 20 bis jetzt kaum noch einen King gelesen und dadurch viele seiner Werke verpasst.

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