Rezension

Doppelstern – Robert A. Heinlein

„Doppelstern“
Autor: Robert A. Heinlein
Originaltitel: Double Star
283 Seiten / Taschenbuch
ISBN: 3453317386
Verlag: Heyne

Worum geht’s?

Ein abgehalfterter Schauspieler sitzt an einer Bar, trifft einen Raumpiloten – und ehe er sichs versieht, landet er auf dem Mars. Kaum dort angekommen, verstrickt er sich in eine Intrige und wird auf eine abenteuerliche Mission quer durch das bekannte Universum geschickt.

Meinung

Doppelstern ist ein Roman, der nicht typisch zu Heinlein passen scheint, wenn man seine anderen Werke kennt. 1956 erstmals veröffentlicht und mit dem Hugo Award ausgezeichnet, dem ersten, den Heinlein für eines seiner Werke erhielt, ist es eine sehr unterhaltsame Geschichte über politische Intrigen auf planetarer Ebene aus Sicht eines Schauspielers, der eigentlich nur ein bisschen Geld verdienen wollte und mittendrin in der Politk landet.

Lawrence Smith, als Lorenzo Smythe oder der große Lorenzo, ist eine äußerst interessante Figur. Teilweise eine Diva, manchmal etwas berechnend und eigentlich so gar nicht an Politik interessiert. Wir folgen ihm in dieser Geschichte, die in einer heruntergekommenen Bar beginnt, in der Lorenzo einen Raumfahrer trifft, den er auf einen Drink einlädt. Der Pilot jedoch sucht einen Schauspieler und möchte Lorenzo engagieren. Der Auftrag: Lorenzo soll als Double für den Politiker Bonneforte auftreten, der von seinen politischen Gegnern entführt worden ist. Eigentlich wäre es ja so gar nicht sein Niveau als Schauspieler, aber Geld und etwas Honig um den Bart geschmiert können sehr überzeugend sein. Somit findet sich Lorenzo also wieder in einer Welt, zu der ja eigentlich gar nicht gehören will.

Trotzdem wird er bald so richtig gut in seiner Rolle als Bonneforte und fängt auch relativ schnell an, sich mit Bonnefortes politischen Gedanken und Zielen zu identifizieren.

Ein häufiges Thema in Heinleins Büchern ist die Rassentrennung in den USA, die er geschickt kritisierte, indem er Figuren in seinen Werken erschuf, die nicht weiß waren. Dieses Thema findet man in Doppelstern dergestalt, dass Lorenzo wie viele Menschen im Buch die Marsianer hasst. Durch sein Engagement als Bonneforte-Double muss Lorenzo sich genau diesem Hass stellen, denn der echte Bonneforte möchte den Marsianern ein Stimmrecht im Sonnensystem verschaffen, das von den Menschen dominiert wird. Als das Engagement also länger dauert, als geplant, muss Lorenzo sich mit diesem Hass auseinandersetzen. Schlussendlich beginnt er, sich so sehr mit seiner Rolle zu identifizieren, dass er Bonnefortes Ziele durchsetzen will.

Amüsant ist dabei besonders, dass Heinlein hier eine gewisse Voraussicht beweist, einen Schauspieler in der Politik zu etablieren. Noch in den 1950er Jahren war es undenkbar, dass ein Schauspieler in die Politik geht geschweige denn irgendwann mal Präsident wird.

Fazit

Auch wenn man dem Buch durch die verwendete Sprache das Alter anmerkt, ist Doppelstern eine absolut unterhaltsame, leichte Geschichte mit vielen unerwarteten Wendungen, die das Buch bis zur letzten Seite zu einem Vergnügen machen. Für Heinlein-Anfänger ein gutes Einstiegsbuch.

Bewertung

Anmerkung: Da es sich bei diesem Buch um ein zur Verfügung gestelltes Rezensionsexemplar handelt, muss ich diesen Beitrag als Werbung kennzeichnen. Ich möchte allerdings versichern, dass die verfasste Rezension meine ehrliche Meinung wiedergibt und nicht von der Tatsache, dass es sich um ein Rezensionsexemplar handelt, beeinflusst wurde. Denn ganz ehrlich, Rezensionen hätten keinen Sinn, wenn sie nicht ehrlich wären. Ich bedanke mich beim Heyne Verlag und dem Bloggerportal für das Rezensionsexemplar.

 

4 Comments

  1. Huhu,

    eine schöne Rezension, die mich neugierig auf das Buch macht.
    Es klingt so als hättest du schon mehr von Heinlein gelesen. Würdest du da dieses Werk empfehlen oder etwas anderes von ihm?
    Ich wollte in nächster Zeit ja ein bisschen mehr von den älteren Sci-Fi Büchern lesen.

    LG
    Elisa

    1. Huhu Elisa,
      Heinlein ist immer schwierig zu empfehlen finde ich. Mir persönlich hat z.B. „Have Spacesuit, will travel“ total gut gefallen, wobei das für viele erwachsene Leser ein echter Hit or Miss ist, was ich so mitbekommen habe. Schön fand ich auch „Stranger in a strange land“, obwohl man hier definitiv etwas distanziert lesen sollte, besonders als Frau. Manch einer mag das Buch als reine Orgie bezeichnen, aber wenn man die Zeit betrachtet, wann das Buch geschrieben wurde, ist es schon sehr provokativ und fordert zu dem Zeitpunkt verfestigte Konventionen stark heraus.
      „Starship Troopers“ ist auch lesenswert, besonders weil es so gar nichts mit der Verfilmung zu tun hat, die mir im direkten Vergleich zu dem Buch gar nicht gefallen hat (unabhängig vom Buch aber echt unterhaltsam war). „I will fear no evil“ ist auch ein Buch, das ich persönlich empfehlen würde. Da geht Heinlein echt einen krassen Weg, sexuelle Identität zu erforschen. Für die Zeit damals echt krass meiner Meinung nach. Und „The Moon is a harsh mistress“ in dem Heinlein dem Thema Ideologien nachgeht.
      Unterhaltsam sind sie alle, sie regen auch zum Denken an. Als LeserIN muss man jedoch manche Dinge etwas distanzierter sehen, weil man sich sonst nur viel zu sehr drüber aufregt.

      1. Danke für die ausführliche Antwort. Ja, von der nicht so tollen Darstellung von Frauen in Heinleins Werken hatte ich schon gehört. Ich versuche da auch bei älteren Büchern distanzierter ran zugehen, als ich es bei neueren tue. Von deinen Empfehlungen klingen „I will fear no evil“, „the Moon is a harsh mistress“ und „starship troopers am interessantesten. Die werde ich mir mal genauer angucken. Von „starship troopers“ kenne ich außerdem den Film nicht.

        1. Ich denke, wenn man in der Lage ist, das unter dem Aspekt der jeweiligen Zeit zu betrachten, dann kann man diese Romane auch wirklich genießen. Ich wünsch Dir jedenfalls ganz viel Spaß und freu mich auf Deine Buchbesprechnungen dazu 🙂

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