Rezension

Feenzorn (Die dunklen Fälle des Harry Dresden, #4) – Jim Butcher

„Feenzorn“
Originaltitel: Summer Knight
Autor: Jim Butcher
448 Seiten / Taschenbuch
ISBN: 3867621144
Verlag: Feder & Schwert

Anmerkung: Da sind wir also, Band 4. Ab hier besteht beim Klappentext (läuft bei mir unter worum geht’s) eine mögliche Spoilergefahr. Ab hier solltest Du, wenn Du gar nicht gespoilert werden willst, den Klappentext nicht lesen. Wenn es Dir egal ist, dann kannst Du diese Warnung natürlich ignorieren. Ich werde versuchen, meine Meinung so spoilerfrei wie möglich zu halten. 

Worum geht’s?

Das Leben ist kein Wunschkonzert – schon gar nicht für Harry Dresden, Privatermittler und Magier. Seine Freundin hat ihn verlassen, um ihren neuentdeckten Blutdurst nicht an ihm zu stillen. Andere Vampire haben ihm gegenüber allerdings weniger Hemmungen.
Als dann auch noch die Feenkönigin Mab von ihm verlangt, einen Mörder zu finden, bringt das Harry nicht nur in die Schusslinie ihrer größten Konkurrentin – sondern auch endgültig in tödliche Gefahr.

Meinung

In Feenzorn ist alles wesentlich größer und gigantischer und der Woah-Faktor hat monstermäßige Ausmaße.

Endlich lernen wir sie kennen, die Königin des Winterhofes und ja, ich mag sie. Nicht vom persönlichen her, sondern die Art und Weise, wie Butcher sie geschrieben hat. Mab ist einfach eine Powerfrau. Stark. Unglaublich mächtig. Alles an ihr ist gigantisch. Ihre Vergebung. Ihr Zorn. Ihre Liebe. Ich mag sie. Und ich muss gestehen, würde es sie wirklich geben, hätte ich wirklich wirklich Schiss vor ihr. Die ist nämlich scary as hell.

In diesem Band erfahren wir also alles über die Sidhe. Sommer und Winter. Wir lernen mehr über Sommerkönigin Titania, die Sommerlady Aurora, die Winterlady Maeve und natürlich Winterkönigin Mab. Als Bonus lernen wir auch Mutter Sommer und Winter kennen. Irgendwie habe ich ein Bild von den beiden im Kopf, wie sie hoch über Chicago auf einer Wolke sitzen und im Schaukelstuhl vor sich hin stricken, auch wenn das nicht korrekt ist.

Mab beauftragt Harry, einen Mord aufzuklären. Das Opfer: Ein Herr namens Ronald Reuel. Seien wir ehrlich, eine direktere Tolkien-Hommage wird man nirgends finden. Und damit nehmen die Dinge ihren Lauf.

Es gibt neue Figuren und alte. Murphy kämpft mit den Nachwirkungen aus Band 3, leidet an Schlaflosigkeit und muss sich mit einem harten Verlust auseinandersetzen, der ihr sehr zusetzt. Trotzdem sind ihre Asskicking levels off the charts und endlich endlich, endlich erklärt Harry ihr alles über die Übernatürliche Welt, über die Vampire, die Feen, das Niemalsland und den Weißen Rat.

DER tritt nämlich auch in Erscheinung. Warum, verrate ich nicht, denn das würde Band 3 spoilern. Sagen wir mal so, Harry hat keinen guten Stand beim Weißen Rat und der Merlin hat es auf ihn abgesehen. Der Weiße Rat ist quasi die „Regierungsbehörde“ der Zauberer aller Welt und er achtet darauf, dass die Gesetze der Magie eingehalten werden. Thou shalt not kill und so weiter.

Wie alle Organisationen, die etwas Macht mit sich bringen, ist auch der Weiße Rat ein Haufen aus Intrigen, Missgunst und viel Bürokratie. Gott sei Dank gibt es auch da Leute, mit dem Herz am richtigen Fleck und einem klugen Kopf auf den Schultern. So lernen wir Ebenezar McCoy kennen, einen Zauberer aus Missouri, der sich des jungen Harry damals angenommen hat, als dieser seinen ehemaligen Lehrer Justin getötet hatte und der Weiße Rat ihn damals wegen der Verletzung des ersten Gesetzes der Magie hinrichten wollte. Ebenezar ist ein bodenständiger Mann. Er arbeitet hart auf seiner Farm und hat eine Gelassenheit, von der ich mir gern ein Stück abschneiden würde. Seine bauernhafte Erscheinung verbirgt einen wachen und aufmerksamen, extrem scharfen Verstand.

Ebenezar wird auch später immer mal wieder in Erscheinung treten.

Ebenfalls neu auf dem Radar ist „Lauscht dem Wind“, ein Indianer (darf man das im Deutschen eigentlich so sagen? ein Native American quasi) und ebenfalls Magier und Mitglied des Ältestenrates. Er ist so richtig, richtig cool. Ehrlich. Er gehört für mich mit zu meinen absoluten Lieblingsfiguren der Reihe. Abgesehen von seiner Ruhe und seiner Verbundenheit zu seinen Ahnen, hat er einen extrem trockenen Humor.

Dazu mal ein zwei Zitate, über die ich immer lachen muss:

„Grünschnabel“, sagte Ebenezar, „das ist Lauscht dem Wind. Aber der Name ist mir zu anstrengend, obwohl ich sonst eher geschwätzig bin. Er kommt aus Illinois und ist Medizinmann. Deshalb nenne ich ihn einfach Indianerjoe.“


„Indianerjoe zwinkerte mir zu. „Der Rassist aus dem Süden kann nicht lesen. Sonst wüsste er, dass er mich nicht mehr so nennen darf. Jetzt bin ich Ureinwohnerjoe.“


„Das wird keine Rolle spielen“, erwiderte Martha. „Im Ältestenrat sitzen jetzt schon zuviele Amerikaner, wenn es nach dem Merlin geht.
Indianerjoe kraulte dem Kleinen Bruder die Brust und sagte: „Typisch. Der einzig echte Amerikaner im Ältestenrat bin ich. Ihr Zugereisten zählt ja nicht.“

Es fängt also schon wieder humorvoll und düster an. Die politischen Intrigen innerhalb des Rates sind nur ein Teil. Harry wird auch in die Machenschaften der Feenköniginnen hineingezogen und gerät dabei mächtig zwischen die Fronten.

Feenzorn ist rasant und spannend. Die großen Kämpfe nehmen epische Ausmaße an und wir begegnen so einigen verrückten Dingen.

Einem Chicago über den Wolken zum Beispiel. Einem blutrünstigen Einhorn. Einer alten Flamme. Wir treffen auf Wechselbälger, Wesen, die halb menschlich, halb Fee sind, aber sich noch nicht für die eine oder andere Seite ihrer Natur entschieden haben. Da sind z.B. Meryl und Fix, die ihre Freundin Lily suchen, die verschwunden ist. Natürlich engagieren sie dafür Chicagos einzigen Zauberer und natürlich ist auch Lily ein Teil des großen Puzzles und eng mit dem Mord an Reuel und den Ereignissen zwischen den Feenhöfen verbunden, während letzteres wiederum mit dem Weißen Rat zu tun hat. Als Leser weiß man das schon irgendwie, aber man kommt nicht so schnell drauf, wie denn alles zusammenpasst.

Jim Butcher spinnt hier geschickt ein großes Netz aus Intrigen und erweitert die aus den bisherigen Romanen bekannte Welt um viele weitere Faktoren. So langsam wird es immer klarer, was er alles in petto hat.

Auch die Alphas sind wieder mit von der Partie und natürlich Toot-toot und das Kleine Volk.

Toot gab mit seiner winzigen Trompete ein Signal und rief mit schrillem Stimmchen: „Im Namen des Pizzalords, Angriff“

Fazit

Wenn man Feenzorn gelesen hat und der Reihe immer noch unentschlossen gegenübersteht, dann wirds wohl auch mit den anderen Bänden nichts werden. Für mich ist Feenzorn Sucht pur. Und ja, ich bin Dresden-Fangirl. Ab jetzt wird jeder folgende Band noch gigantischer, noch spannender, noch rasanter, noch atemberaubender. Ach, was sage ich…..es ist einfach nur hammermäßig genial und klasse. Ich hol mir jetzt noch einen Kaffee, bevor mein Blog von alleine das begeisterte und aufgeregte Fangirlplappern anfängt.

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