Rezension

Schwerelos – Katie Khan

„Schwerelos“
Autorin: Katie Khan
253 Seiten / Ebook
ASIN: B06ZXVFQB8
Verlag: Heyne

Worum geht’s?

Zwei Menschen, schwerelos und allein. Um sie herum: die Schwärze des Alls. Unter ihnen, zum Greifen nah und doch unerreichbar: ihr Zuhause, der blaue Planet. Jetzt haben Carys und Max bloß noch einander zum Festhalten – und nur noch Atemluft für neunzig Minuten. Gemeinsam blicken sie auf die Erde, die ihnen als Liebende keinen Platz bot. Die Erde, zu der sie nun um jeden Preis zurückkehren wollen. Doch die Zeit läuft gegen sie …

Meinung

Denn mit der ersten Liebe ist es so, Cari, dass sie dich bricht. Sie ändert alles an dir – das, was du für den nächsten Menschen bist.

Ich lese ungern reine Liebesgeschichten. Ich mag sie einfach nicht. Und doch kam dieses Buch daher und zeige mir, dass Liebesgeschichten durchaus ihren Reiz haben können. Erwartet hatte ich mehr Hardcore-Scifi, aber bekommen habe ich eine Liebesgeschichte in einer Utopie, vollgepackt mit Philosophie, die mich noch eine Zeit lang beschäftigen wird. Zwei Menschen, Carys und Max, die sich kennen und lieben lernen. Die Utopie hat eine Paarregel: Menschen dürfen erst mit 35 als Paar zusammenleben und Kinder bekommen. Carys und Max sind aber erst Mitte 20. Was tun also? Während die beiden nach der Zerstörung ihres Raumschiffs im Weltall treiben, verbleiben ihnen nur 90 Minuten Sauerstoff und in Rückblenden und Erinnerungen erfahren wir von ihrem Leben, ihrer Liebe und den Hindernissen in ihrem Weg, der sie dorthin gebracht hat, wo die Geschichte beginnt.

Menschen, die nicht nach den Regeln einer Utopie leben können, stellen häufig fest, dass es für sie gar keine richtige Utopie ist. Sie sind es, die sich auf die Suche nach etwas anderem machen.

Ich war anfangs wirklich skeptisch. Die Leseprobe klang vielversprechend und ich wagte den Schritt, das Ebook anzufragen. Es hat auch etwas gedauert, bis ich mit der Geschichte warm wurde. Mit Carys und Max konnte ich anfangs so gar nichts richtig anfangen. Aber Katie Khan hat hier wirklich eine interessante Utopie geschaffen. Die überlebenden Menschen, denen es gut geht, leben in einer Woiwodschaft zusammen. Junge Menschen begeben sich auf Rotation innerhalb der Woiwoden. In jeder leben sie 3 Jahre allein und lernen, auf eigenen Beinen zu stehen, selbständig zu werden und vor allem, sich selbst kennen. Nicht abgelenkt von festen Beziehungen, können sie sich ganz darauf konzentrieren, ihren Platz in der Gesellschaft zu finden.

Mal ehrlich, jeder kennt das: man ist ein einer Beziehung, vielleicht sogar verheiratet und trotzdem entwickelt man sich weiter. Gerade in jungen Jahren. Dann ist es oft schwierig, diesen Drang, sich selbst als Mensch zu verwirklichen und trotzdem dem Partner gerecht zu werden, miteinander zu vereinbaren. Immer diese Mischung aus Ehrgeiz und Schuldgefühlen. Ich selbst war sehr jung, als ich in einer festen Beziehung landete. Im Nachhinein habe ich viele Fehler gemacht, genau wie mein damaliger Partner. Es hielt natürlich nicht. Auch die nächste Beziehung hielt nicht. Oder die danach. Erst so richtig aufgeblüht bin ich, als ich länger Single war, und da war ich schon fast 35. Erst da erkannte ich, wer ich wirklich bin, wer ich sein will, was ich kann und was ich will.

Aber Individualismus bedeutet auch, zu wissen, was für einen selbst richtig ist.

Danach eine Beziehung einzugehen, meine jetzige, war eine Herausforderung. Ich war definitiv bereit aber ich hatte auch Angst. Meine Erfahrungen hatten mich geprägt, genauso wie seine Erfahrungen meinen Lieblingsmenschen geprägt haben. Je mehr Ballast man im Laufe der Jahre auf der Seele hat, desto schwieriger wird es. Trotzdem fanden wir zueinander zum für uns richtigen Zeitpunkt. Vielleicht ist es genau der Grund, warum mich dieses Buch nicht genervt oder gelangweilt hat. Es bietet einen realistischen Blick auf Beziehungen. Mit allen Höhen und Tiefen. Mit der unbeschwerten Verliebtheit am Anfang und der langsam wachsenden Erkenntnis, dass auch diese Beziehung ohne Arbeit keinen Bestand haben wird. Khan schreibt das sehr realistisch und äußerst treffend. Sie konfrontiert den Leser in einem utopischen, äußerst interessanten Setting mit der Liebe, die nie im Leben für irgendjemanden einfach ist. Wir alle kennen es. Wir alle haben es erlebt, erleben es gerade oder haben es noch vor uns. Es bleibt uns allen nicht erspart. Und das ist wichtig, denn nur so wachsen wir als Menschen für uns selbst und für andere.

Fazit

Das Buch hat bei mir echt einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Die Figuren wuchsen vor meinen Augen, entwickelten sich. Ich möchte es nicht als das beste Buch aller Zeiten anpreisen, denn das ist es sicher nicht, aber es hat bei mir genau den richtigen Nerv getroffen. Vielleicht, weil meine eigenen Erfahrungen mit einer neuen Beziehung noch nicht allzu lange her sind. Vielleicht, weil ich erst jetzt nachfühlen kann, was es heißt, den einen Menschen zu treffen, mit dem ich mir vorstellen kann, den Rest meines Lebens zu verbringen. Vielleicht, weil ich mir ein Leben ohne ihn nicht vorstellen kann. Vielleicht, weil das Buch gerade zur richtigen Zeit auf meinem Bluefire-Reader landete. Definitve Leseempfehlung und wahrscheinlich die höchste Bewertung, die ich je für eine Liebesgeschichte gegeben habe.

Zweifle an der Sonne Klarheit,
Zweifle an der Sterne Licht,
Zweifle, ob lügen kann die Wahrheit,
Nur an meiner Liebe nicht.

Bewertung

Anmerkung: Da es sich bei diesem Buch um ein zur Verfügung gestelltes Rezensionsexemplar handelt, muss ich diesen Beitrag als Werbung kennzeichnen. Ich möchte allerdings versichern, dass die verfasste Rezension meine ehrliche Meinung wiedergibt und nicht von der Tatsache, dass es sich um ein Rezensionsexemplar handelt, beeinflusst wurde. Denn ganz ehrlich, Rezensionen hätten keinen Sinn, wenn sie nicht ehrlich wären. Ich bedanke mich beim Heyne Verlag und dem Bloggerportal für das Rezensionsexemplar.

 

2 Comments

  1. Das ist doch eine sehr gute Bewertung! Ich kann die Wahl der beiden Hauptpersonen gut verstehen, hätte wohl aber eine andere Art des Todes gewählt … 😉

    Ich kann sehr gut nachvollziehen, was du über Beziehungen schreibst: „Mit der unbeschwerten Verliebtheit am Anfang und der langsam wachsenden Erkenntnis, dass auch diese Beziehung ohne Arbeit keinen Bestand haben wird.“ So ist es nämlich, gerade weil da zwei Individuen aufeinander treffen, die sich auch innerhalb einer Partnerschaft unterschiedlich weiterentwickeln, die unterschiedlich auf Probleme reagieren. Das kann man dann entweder als Bereicherung oder als Belastung ansehen, man wählt selbst. Bei uns kommt jedenfalls keine Langeweile auf … 😉

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