Das King-Projekt Rezension

Die Arena – Stephen King

Worum geht’s?

Wenn kein Gesetz mehr gilt, zählt nur der Kampf ums nackte Überleben.

Urplötzlich stülpt sich eines Tages eine unsichtbare Kuppel über Chester’s Mill. Die Einwohner der neuenglischen Kleinstadt sind komplett von der Außenwelt abgeschnitten. Es gibt kein Entrinnen – als die Vorräte zur Neige gehen und kein herkömmliches Gesetz mehr gilt, beginnt ein bestialischer Kampf ums Überleben… (Klappentext Heyne-Verlag)

Meinung

Mit knappen 1300 Seiten ist das Buch ein echter Wälzer. Ich habe die Serie gesehen, also wusste ich so ungefähr, was mich erwartet, aber die Unterschiede zwischen Buch und Serie waren schon einige. King hat hier einfach ein paar tolle Figuren geschrieben und obwohl sich die Handlung gerade mal über eine Woche streckt, passiert einfach wahnsinnig viel. Viele Handlungsstränge laufen parallel bevor sie von King zusammengewoben werden. Schon schnell merkte ich, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen wollte. Und genauso schnell sind mir einige Figuren ans Herz gewachsen. Der Schrecken des Buches entsteht einzig und allein aus der Grausamkeit der Menschen heraus und man musste als Leser tatenlos zusehen, wie dumme Menschen ohne jegliche Moralvorstellungen Macht bekamen über andere. Gleichzeitig war der größte Antagonist Big Jim Rennie einfach derart unsympathisch und böse, dass ich ihm nicht nur einmal gewünscht habe, sein schwaches Herz würde einfach nur versagen und er würde tot umfallen. Das hätte sicherlich einiges an Problemen von ganz allein gelöst. Aber auch die einfachen Leute waren nicht ohne. King beschreibt hier sehr gut, wie Angst und ungewisse Situationen Angst so derartig vorantreiben, dass gesunder Menschenverstand kurzerhand ausgeschaltet wird. Wer es wagt, weiterhin zu hinterfragen, hat einen schweren Stand. Zu all den Toten des ersten Tages, an dem die Kuppel herunterkam, gesellen sich schnell weitere. Die Ressourcen werden knapp und illegale Geschäfte im Hintergrund treiben diese Knappheit weiter voran. Rennie ist ein größenwahnsinniger, fundamentalistischer, narzistischer Despot, der durch seine Handlanger politische Intrigen spinnt und seine Machtposition ausbaut. Dabei wird schnell klar, dass seine Aussage, er tue alles nur für das Wohl der Stadt, nichts anderes als ein Luftschloss ist. Was Rennie interessiert ist er selbst. Auch sein Sohn spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Tatsächlich leidet Rennie Jr. an schlimmen Kopfschmerzen, die ihn dazu bringen, seine eh schon nicht vorhandenen Moralvorstellungen noch weiter zu ignorieren. Dass er statt ’nur‘ an Migräne an einem Hirntumor leidet, ist dabei am Ende auch keine Überraschung mehr.

Das Buch ist meiner Meinung nach unsere Welt in Kleinformat. Die Dynamik zwischen den beiden Stadtoberen Andy Sanders und Big Jim Rennie wurde von King in Anlehnung an Bush und Cheney geschrieben (seiner Aussage nach) und es kommt schnell rüber, dass Andy an sich nicht böse ist, nur einfach wahnsinnig inkompetent und jemand, der das Verlangen hat, allen zu gefallen. Doch neben dem politischen Aspekt befasst King sich auch damit, wie Menschen sich verhalten, wenn die Ressourcen knapp werden. Wenn die Luft knapp wird. Wenn das Ökosystem so dermaßen kaputt ist, dass es den Mensch nicht mehr ernähren kann. Der ScienceFiction-Aspekt ist hier die Kuppel selbst. Dazu möchte ich auch gar nichts verraten, denn es ist interessant, was passiert als der Generator, der die Kuppel erzeugt, gefunden wird. Ein schönes Beispiel dafür, wie wir Menschen die Ameisen unter einem Vergrößerungsglas sind.

Fazit

Für mich ist das Buch eines der besten, die King je geschrieben hat. Es hat alles, um mich als Leser zu unterhalten, zu hinterfragen und emotional in seinen Bann zu ziehen. Bis zum Schluss wird man in Atem gehalten. Bei der Länge des Buches wurde es jedoch nicht einmal langweilig. King wechselt die Perspektiven so geschickt, dass es immer etwas zu sehen gibt. Und manchmal wechselt er so stark, dass man Leser kurzzeitig einen Gesamtüberblick erhält, bevor man wieder auf die einzelnen Dinge gestürzt wird.

Absolut lesenswert.

Bewertung

6 Comments

  1. Klingt mal wieder sehr gut – ich kenne auch die Serie – bin aber noch nicht ganz durch – wurde die nicht auch abgesetzt – weiss ich jetzt nicht so genau.

    1. Die Serie hatte 3 Staffeln. Auch allgemein gibt es einige starke Abweichungen vom Roman. Mir persönlich hat der Roman aber sehr viel besser gefallen. Absolut lesenswert.

      1. Das nervt schon ganz schön, dass sie die Serien manchmal so abweichen lassen. Sie sind zwar trotz allem gut, aber es fehlt dann das was man am Buch so schätzte. 😊

          1. Ja, das ist bei mir auch so. Genügend Abstand zwischen den beiden Medien dann kann ich das auch genießen, aber so nah bei einander gewinnt fast immer das Buch 😊

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