Rezension

Ancillary Justice – Ann Leckie

Es gibt Bücher, die stellen alles in Frage, das man zu kennen glaubt. Ancillary Justice (Die Maschinen) wurde stark gehypt und mit Preisen überhäuft. Meines Erachtens auch zu Recht.

Worum geht’s?

Breq, die Hauptfigur und ErzählerIn der Geschichte, sinnt auf Rache. Doch Breq ist nicht einfach nur ein Mensch sondern ein Teil einer künstlischen Intelligenz, einem Raumschiff, die in einem Körper gestrandet ist, als man es zerstörte.

Meinung

Ganz ehrlich ist es nicht so simpel wie es klingt. Jegliches Konzept von Perspektive und Geschlecht, das wir kennen, wird arg auf die Probe gestellt. Breq heißt eigentlich Justice of Toren One Esk. Breq ist Radch,  eine Spezies, die die Zivilisation im Weltall verbreiten will und dabei Planeten und deren Völker annektiert. Radch haben kein Zweigeschlechtliches Konzept. Von allen Figuren wird in der weiblichen Person Singular erzählt. Wenn Breq in anderen Sprachen konversiert, wird deutlich, welche Herausforderung es für Breq ist, die korrekte Form zu verwenden ohne das Gegenüber vor den Kopf zu stoßen. Ergo merkt man als Leser sehr schnell, wie man automatisch davon ausgeht, dass alle Figuren weiblich sind und ist überrascht, wenn dritte das eigentliche Geschlecht der Figuren kurz erwähnen. Meines Erachtens gelingt es Leckie hier ganz stark zu zeigen, welchen Einfluss die Sprache auf die eigene Wahrnehmung hat, ganz besonders im Hinblick auf das Geschlecht. Es ist wirklich ein beeindruckendes Experiment. Viele Rezensenten bemängeln, dass das Buch langatmig sei aber ich denke, das ist der Hauptfigur geschuldet, die immerhin eine AI ist und sehr emotionslos erzählt.  Da Justice of Toren ein Raumschiff ist, das durch sogenannte Ancillaries (Menschen, die mit der KI ‚programmiert‘ wurden und somit von ihr gesteuert werden) an mehreren Orten gleichzeitig ist, wechselt die Erzählperspektive schnell und viel. Das hat einige Seiten gedauert, bis ich mich daran gewöhnt hatte. Allerdings macht es das ganze gleichzeitig anstrengend und aufregend zugleich. Justice of Toren One Esk ist ein solcher Ancillary. Sofern ich es nicht überlesen habe, wird das Geschlecht von One Esk (Breq) nie erwähnt. Aber es spielt auch ehrlich keine Rolle.

Das Universum, das Leckie hier geschaffen hat, ist groß. Die Radch mit ihren Ancillaries erinnern etwas an die Borg. Die Gesellschaft etwas ans alte Rom, das als Imperium ja auch viele Fortschritte brachte aber sein eigenes System und Gesellschaft aufgezwungen hat. Trotzdem ist das Buch nicht einfach die Römer im Weltraum. Es ist soviel mehr und regt klar zum denken an. Auch das Konzept mit dem Umgang bestehender Religionen auf einem annektierten Planeten ist interessant.

Mein Fazit:

Obwohl der Einstieg etwas schwer fiel, hat mich das Buch überzeugt und ich habe schnell gemerkt, wieviel ich seitdem darüber nachdenke. Manche Rezensenten merkten an, dass ihnen die Figuren egal waren und sie keine richtige Beziehung zu ihnen aufbauen konnten. Dem kann ich so nicht zustimmen. Breq ist mir ans Herz gewachsen. Sehr sogar. Auch Sejvarden macht eine große Entwicklung durch, wenn auch schwer von Breq einzuschätzen. Es lohnt sich jedenfalls, dranzubleiben. Ich habe das englische Original gelesenund werde  auch noch die deutsche Übersetzung bei Gelegenheit lesen um zu sehen wie mit den Geschlechterbezeichnungen umgegangen worden ist.

Definitiv ein Buch, das im starken Kontrast zum Wohlfühlfaktor bei Becky Chambers‘ Buch steht, aber nicht weniger gut. Mir hats sehr gut gefallen. Die folgenden Bände der Reihe werde ich auch noch lesen.

Bewertung

 

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