Rezension

The Long Way To A Small, Angry Planet – Becky Chambers

Hach, jetzt bin ich durch. *wischt ein Tränchen weg*

Vorab: Ich lese wirklich viel ScienceFiction. Egal ob ein Peter F. Hamilton-Epos mit bis zu 1000 Seiten pro Buch oder David Webers politische Intrigen rund um Honor Harrington. Egal ob StarWars Extended Universe-Bücher oder John Scalzis Old Man’s War. Ich liebe Scifi. Ich hab StarTrek geschaut und Kampfstern Galactica (alt und neu). Firefly, Farscape, Stargate, Atlantis und und und. Die Liste ist ellenlang. Dazu bin ich großer Fan der Mass Effect-Videospiele (ja, auch Andromeda). Trotzdem bin ich kritisch, wenn ich Scifi lese. Ich liebe Spannung und Konflikt, die Momente, in denen man den Atem anhält und mit den Figuren mitfiebert. Zugegeben, nicht viele Dinge schaffen das.

Und dann kam da Becky Chambers‘ Buch daher. Zufällig bei Amazon mitgenommen für 99 Cent, weil die Inhaltsangabe gut klang. Ein bisschen Rezensionen auf GoodReads gelesen und gedacht, gut, liest es halt mal.

Also, worum gehts? 

Willkommen an Bord der Wayfarer!

Als die junge Marsianerin Rosemary Harper auf der Wayfarer anheuert, wird sie von äußerst gemischten Gefühlen heimgesucht – der ramponierte Raumkreuzer hat schon bessere Zeiten gesehen, und der Job scheint reine Routine: Wurmlöcher durchs Weltall zu bohren, um Verbindungswege zwischen weit entfernten Galaxien anzulegen, ist auf den ersten Blick alles andere als glamourös.
Die Crewmitglieder, mit denen sie nun auf engstem Raum zusammenlebt, gehören den unterschiedlichsten galaktischen Spezies an. Da gibt es die Pilotin Sissix, ein freundliches und polyamoröses reptilienähnliches Wesen, den Mechaniker Jenks, der in die KI des Raumschiffs verliebt ist, und den weisen und gütigen Dr. Chef, der einer aussterbenden Spezies angehört.
Doch dann nimmt Kapitän Ashby den ebenso profitablen wie riskanten Auftrag an, einen Raumtunnel zu einem weit entfernten Planeten anzulegen, auf dem die kriegerische Rasse der Toremi lebt. Für Rosemary verwandelt sich die Flucht vor der eigenen Vergangenheit in das größte Abenteuer ihres Lebens.

Zudem lobte es folgendes:

Becky Chambers hat mit ›Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten‹ eine zutiefst optimistische Space Opera geschrieben, die uns den Glauben an die Science Fiction (im Besonderen) und an die Menschheit (im Allgemeinen) zurückgibt.

›Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten‹ wurde für zahlreiche Preise nominiert, u.a. für den Kitschies Award, den Baileys Women’s Prize for Fiction und den Arthur C. Clarke Award.


Meinung

Wenn ich ehrlich bin, habe ich mich nie für Auszeichnungen interessiert. Sie geben mir keinen Anhaltspunkt dafür, ob das ausgezeichnete Buch mir am Ende gefallen wird. Allerdings fand ich die Aussage, dass es sich um eine zutiefst optimistische Space Opera handle, die uns den Glauben an die Menschheit zurückgibt sehr ansprechend.  DAS ist nämlich genau meins. Jetzt betete ich eigentlich nur noch, dass es auch handwerklich gut umgesetzt war.

So fing ich also an. Und ich merkte schnell, dass ich am liebsten auf der Wayfarer einziehen wollte. So wie damals bei Firefly die Serenity einfach ein Zuhause war. Nichts hochtrabend glatt poliertes wie man es von StarTrek kennt sondern ein Schiff, das von seiner Crew liebevoll gepflegt wurde. Herz des Schiffs ist übrigens Lovelace, kurz Lovey, die künstliche Intelligenz. Es hat mich etwas an EDI aus Mass Effect erinnert, besonders die Beziehung, die der Mechaniker Jenks zu ihr hatte brachte mir immer Joker in den Kopf. Aber bevor ich mich jetzt hier verliere, mach ich mal weiter.

Die Aliens im Buch sind wirklich Aliens. Wir bekommen nicht einfach nur zweibeinige Humanoide vorgesetzt sondern echte Aliens.

Wir bekommen sonderbar-aussehende Aliens mit unterschiedlichen kulturellen und sozialen Normen, biologischen Gegebenheiten und Sprachen und Gesten. Wir bekommen Aliens, die mit sechs Paar Stimmbändern gleichzeitig kommunizieren und solche, die gar keine Stimmen haben, weil ihre Kommunikation rein über wechselnde Farben der Haut stattfindet. Aliens, die deswegen auch keine Notwendigkeit für Gehör haben. Aliens, die ein sehr hervorragendes Gehör haben. Aliens, die als Wirt für einen Virus leben und eine komplette Kultur und Religion darum aufgebaut haben.

Das Universum, das Becky Chambers hier geschaffen hat, ist einfach nur bunt und aufregend. Ein Satz bleibt dabei gleich von Anfang an im Kopf „Do not judge other species by your own social norms.“ (Beurteile andere Spezies nicht nach Deinen eigenen sozialen Normen). Selbst als Leser ist es mir manchmal schwer gefallen, das nicht zu tun, aber das machte es besonders aufregend.

Ich habe Rezensionen gelesen, die beklagten, wie wenig Action in dem Buch vorkommt. Es ist ganz klar eine Geschichte, die von den Figuren, deren persönlicher Entwicklung und den Beziehungen untereinander vorangetrieben wird. Es gibt auch ein bisschen Action, aber das Hauptaugenmerk ist tatsächlich die Reise an Bord der Wayfarer. Der Alltag und der besondere Auftrag. Wer so etwas nicht mag und unbedingt einen Action-reichen, packenden Plot benötigt, der wird von dem Buch leider enttäuscht sein.

Für mich war es aber genau mein Ding. Ich liebe Bücher, in denen die Figuren im Vordergrund stehen. Besonders, wenn das auch noch gut umgesetzt wurde.

Manche Rezensenten beklagten, dass alle so nett und vernünftig seien, dass es keine echten Konflikte gab. Ich persönlich fand genau das absolut erfrischend. Nichts nervt mich mehr, als zum hundertsten Mal wiedergekaute Stereotypen. Es war einfach absolut toll, wie Rosemarys Selbstmitleid kurzerhand von Verständnis und Reife im Keim erstickt wurde. Es nervt, wenn Figuren in einem Buch sich auf ihren Dramen der Vergangenheit ausruhen, wenn Autoren das immer wieder hervorkramen ohne den Figuren die Chance zu lassen, zu wachsen. Becky Chambers macht das hier anders und das finde ich toll. Ja, es sind alle sehr vernünftig, wenn es um die wichtigen Dinge geht. Ich gehöre auch zu dieser Sorte Mensch. Vielleicht ist das auch genau mit einer der Gründe, warum mir dieses Buch so gefallen hat.

Fazit

Ich glaube, ich könnte hier einen ganzen Roman draus machen, warum mir das Buch so gefallen hat. All die Gründe nennen und analysieren und darüber philosophieren. Aber das überlasse ich lieber der Kommentarsektion. Wer einen Mix aus Firefly und Farscape sucht mit einem großen, bunten Universum voller skurriler Welten und Spezies, der ist hier genau richtig. Das Buch ist zutiefst optimistisch. Und das Buch gibt definitiv den Glauben an die Menschheit zurück. Und das habe ich in der Form lange nicht gelesen. Das tut gut. Definitiv mein Highlight des Jahres, was ich absolut nicht erwartet hatte.

Bewertung

2 Comments

  1. Hey Grit!

    Hach, was für eine tolle Rezension!
    Du hast mir das Buch ja vorher schon sehr schmackhaft gemacht, mit deiner Rezension ist mir jetzt aber klar, dass ich definitiv nicht mehr um das Buch herum kommen 😉
    Vielen lieben Dank dafür!

    Liebste Grüße <3 Jill

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das:

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen