Rezension

Yoga Basics – Amiena Zylla

Miri hat auf ihrem Blog das Buch „Dungeons & Workouts“ rezensiert und dabei erwähnt, dass sie ein Sportmuffel sei. Zu der Sorte gehöre ich nämlich auch. Ich bin allgemein ein sehr bequemer Mensch und kann faul sein in vollen Zügen genießen. Aber Gesellschaft und Medien suggerieren immer, dass nur wer fit ist auch gesund ist. Als chronisch kranker Mensch kann ich da nur müde lächeln. Trotzdem ist der Druck natürlich da, dass man auch was tun sollte. Und ja, Bewegung hilft bei vielen Dingen und ist in der Tat gut. Nur, wie sich bewegen wenn man eigentlich nie der Sportler war oder alles eigentlich eher Zwang statt Freude ist. Ich bewundere Menschen, die mit Begeisterung ins Fitnesstudio gehen und dort trainieren. Ich kann es ihnen auch glauben, wenn sie sagen, dass ihnen ohne diesen Sport was fehlt. Oder Menschen, die joggen gehen. Oder auch an Laufveranstaltungen teilnehmen. Bei aller Sportbegeisterung wird aber gern immer vergessen zu erwähnen, dass man nicht einfach bei 0 anfangen sondern sich vorher auch ein paar Gedanken machen sollte. Als ich meinte, ich fange jetzt auch das Joggen an, kam ich nach einer Zeit an den Punkt, dass nichts mehr ging. Weder hatte ich es übermäßig übertrieben noch mich überfordert. Dachte ich jedenfalls. Allerdings kann Ausdauersport auch sehr nach hinten losgehen. Bei mir ging es gleich auf meine ohnehin empfindliche Schilddrüse. Meine Werte rutschten ab. Wer mit schlecht einstellbarem Hashimoto kämpft, weiß sicherlich, was das heißt und wie sich das auswirkt. Ich schlief aber ich schlief nicht (kennt jeder sicherlich: nicht einschlafen können, dauerhaft müde sein, wenn man schlief dann ohne jeglichen Erholungsfaktor, das wurde ganz schnell Dauerzustand) Mir gings äußerst bescheiden. Ich war einfach nur noch dauerkaputt. Ich las mich quer durchs Internet und befragte diverse Sportler, alle teilten mit, dass man grad bei einer bestehenden Schilddrüsenproblematik ganz anders an die Sache rangehen sollte. Für mich hakte ich das Thema jedoch ab, weil Spaß gemacht hat das Laufen eh nicht. Und ich tat es auch nur, weils ja angeblich so gut sein sollte. Über die letzten 12 Jahre habe ich beobachtet, dass ich sehr empfindlich für Stress bin. Egal ob positiven oder negativen. Wenn ich mich selbst hintenan stelle, lande ich auch immer gleich wieder in einem Teufelskreis aus chronischer Erschöpfung und all dem Mist. Das wäre jetzt aber zu lang, das näher zu erläutern.

Ergo die Frage: als Sportmuffel erster Klasse wo fängt man an?

  • Man sucht sich einen Sport, den man wirklich machen will und der einem gut tut.
  • Man sucht sich einen Sport, den MAN SELBST wirklich machen will völlig egal was andere tun, wie sie es tun und warum sie es tun (leichter gesagt als getan).
  • Man achtet auf sich selbst und hört auf seinen Körper (das ist noch schwerer zu tun als zu sagen, ehrlich mal.)

Somit landete ich beim Yoga. Unser Sportverein bot einen Anfängerkurs an. Ausprobieren wollte ich es schon immer, also warum nicht. Die ersten drei mal dachte ich, ich sei im falschen Film und was ich da eigentlich machte. Mir fiel es schwer, runterzukommen und mich auf mich zu konzentrieren. Mir ging alles zu langsam. Meine Gedanken schweiften ab. Und ich schaute ständig, wie es die anderen machten und versuchte natürlich (bescheuert ehrgeizig wie man halt so ist) es besonders gut und besonders richtig zu machen. Und da ging der Schuss nach hinten los. Denn genau das ist Yoga nicht. Yoga ist Ich! Yoga heißt es gibt kein richtig und kein falsch. Alle Asanas können (müssen und sollten sogar) auf einen selbst angepasst werden. Man muss nicht super flexibel sein oder stark. Die Haltung muss nicht perfekt sein. Und man sollte es auf keinen Fall erzwingen. Das wusste ich aber nach den ersten drei Einheiten noch nicht. Oder zumindest ignorierte ich es gekonnt. Fazit war anfangs viel Migräne und allgemeiner Frust, weil ich doch wollte aber nicht konnte und die übliche Leier. Dann platzte jedoch der Knoten. Statt nur einmal die Woche zur Yogastunde zu fahren, begann ich daheim meine Matte auszurollen. Ich fing an zu lesen und mich mit dem Thema zu beschäftigen und merkte, dass die Fortschritte in der Beweglichkeit von alleine kamen und ich mich weniger unter Druck setzte, weil ich mich mit niemanden verglich.

Amiena Zyllas Videos (die Yoga Basics und Yoga allgemein) fand ich auf Youtube. Da gabs dann noch Pilates und Barre Workout und Faszien Yoga und überhaupt, jede Menge Videos zum Thema Sexy, schlank und gutaussehend. Ich war gleich wieder überfordert und frustriert. Als blendete ich das alles aus. Ich konzentrierte mich auf die Basics. Und das war die beste Entscheidung überhaupt, denn seitdem bin ich begeisterter Yogi. Kein Quälen, kein Zwingen, kein „ich muss“ oder „Ich will aber“, sondern einfach nur ich.

Ich finde es schön, wenn andere super beweglich sind und Dinge können, die ich nicht kann. Es ist okay. Es ist okay, dass ich dem Punkt bin an dem ich gerade bin. Ob ich je an einem anderen Punkt sein werde, weiß ich nicht. Ich mache Yoga, weil es mir gut tut. Weil Amiena Zylla mir mit ihren Videos und ihrer ruhigen Art gezeigt hat, was Yoga alles sein kann und für mich geworden ist.

 

Sie hat dieses Jahr ein Buch rausgebracht. Das Yoga Basics. Das Buch ist genau richtig für jeden Yogaanfänger, der wie ich etwas sucht, dass für ihn selbst passt.

Die wichtigsten Übungen des Yoga werden erklärt, auch mögliche Abwandlungsvarianten für jeden, der wie ich steif und unbeweglich ist. Somit ist man nicht gleich völlig gefrustet, weil man die Übung nicht so hinbekommt wie sie auf den Bildern aussieht. Aber auch darauf weist Amiena immer wieder hin: es MUSS nicht so aussehen, weil jeder Mensch eben anders und individuell ist und nicht einmal bekommt man das Gefühl vermittelt, dass das nicht okay sei. Der für mich wichtigste Teil an dem Buch war jedoch der riesige Abschnitt mit unterschiedlichen Flows. Da das Buch rauskam, als ich bereits begeistert beim Yoga dabei war, kannte ich die Haltungen natürlich aber mir fehlte der Einstieg, wie ich sie kombinieren könnte. Und die Flows sind einfach nur toll. Jeden Abend muss es einfach sein. Manchmal gehts besser, weil einfach ein guter Tag ist und manchmal merke ich, dass es nicht so richtig von der Hand geht, aber auch das ist okay, denn dann dehne ich halt und entspanne und mache Atemübungen. Das ist einfach das schöne daran: man macht es für sich und wie es einem gut tut, egal was andere machen würden.

Die Übungs-DVD klebt bei mir noch hinten drin. Angeschaut habe ich sie noch nicht. Nicht, weil sie mich nicht reizt, sondern einfach weil ich da noch nicht bin. Ich liebe meine Flows. Ich liebe meine Ruhe. Mein inneres Ich. Und allgemein hat es mir einfach eine Lebenseinstellung eröffnet, die ich vorher nicht kannte.

Ich mag bei allem aussehen wie eine kleine Giraffe, die grad entdeckt hat, ihre Beine zu nutzen, aber das ist okay. Es ist eben so. Mir gehts gut damit.

Wem der Post jetzt zu lang war, hier eine kurze Zusammenfassung:

  • Das Buch ist super für Yogaanfänger, die Yoga machen und verstehen wollen
  • Die Aufmachung ist schlicht und übersichtlich aber allein deswegen sehr ansprechend.
  • Alle Übungen sind abwandelbar und gut erklärt.
  • Definitiv sehr empfehlenswert.

In diesem Sinne: Namaste (<– das sag ich sonst nie, aber irgendwie passte es grad als Abschluss für diesen Post)

 

 

 

 

2 Comments

  1. Das klingt interessant – wobei meine Erfahrungen mit Sport Büchern eher die waren dass sie sich unheimlich gut im Regal machen 😉😂😂 …ich brauche immer jemand der mir in den Hintern tritt! Aber Yoga mache ich unheimlich gern da es sich so schön individuell anpassen lässt – sogar einhändig geht!

    1. Jaaaa, das das liebe ich am Yoga auch. Tennisarm? Ja mei, dann kann ich halt nichts mit aufstützen machen. Gibt ja auch genügend Asanas zur Auswahl.

      Ich hab übrigens gar nicht soviele Sportbücher. Nur solche, die ich wirklich durchgearbeitet habe und auch wieder hervorhole.

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