Rezension

Good Omens – Terry Pratchett, Neil Gaiman

„Good Omens: The Nice and Accurate Prophecies of Agnes Nutter, Witch“ ist eines der wenigen Pratchett-Bücher, das ich bisher noch nicht gelesen hatte. Eigentlich verwunderlich, denn es ist bereits 1990 erschienen. Aber auch an mir gehen viele Dinge manchmal ab und zu häufiger als ich zuzugeben bereit bin vorbei. Die Prophezeiungen der Hexe Agnes Nutter sind im übrigen nicht freundlich und akurat, wie es teilweise übersetzt wurde, sondern das „nice“ ist in diesem Fall ein veraltetes Synonym für „fastidious (penibel)“ und „scrupulous (pingelig)“. Noch ein Grund mehr, das Buch in der Originalsprache zu lesen, sofern man sie beherrscht.

Worum gehts?

»Es war keine dunkle und stürmische Nacht. Eigentlich sollte es eine dunkle und stürmische Nacht sein, aber auf das Wetter ist eben kein Verlass.« Die Geburt des Antichristen steht unter keinem guten Stern. Eigentlich soll der junge Warlock von den finsteren Engeln Erziraphael und Crowley zum gefürchteten Höllenfürsten erzogen werden. Doch statt für die Apokalypse interessiert sich der Junge viel mehr für Baseball, seine Briefmarkensammlung und Kaugummi mit Bananengeschmack. Es stellt sich heraus, dass das Kind im Krankenhaus vertauscht wurde. Nun gilt es, den wahren Antichristen aufzuspüren. Zudem begreifen Erziraphael und Crowley, dass die Erde eigentlich doch gar keine so üble Gegend im Universum ist. Doch der Termin für den Weltuntergang rückt unaufhaltsam näher …

Meinung

Wer Pratchett kennt, weiß, dass er mit Sprache und Wortwitz mehr tut als nur eine einfache Geschichte zu erzählen. Was passiert, wenn zwei gute Schriftsteller eine Idee haben, die sie vor und zurückspinnen, kann man in diesem Buch lesen. Ja, es geht um den Weltuntergang. Aber die Apokalypse ist gar nicht so super toll, wie man sich das als Dämon oder Engel vorstellt. Besonders dann nicht, wenn besagte Personen sich so an die Annehmlichkeiten der Welt gewöhnt haben, dass sie diese ungern missen wollen. Der Antichrist wächst unscheinbar auf, erfährt die Liebe seiner Eltern, lebt das Leben eines normalen Kindes und ist eher unbeeinflusst von religiösem Fanatismus, von Gut oder Böse. Ergo passiert der Weltuntergang nicht so ganz nach Vorstellungen von Himmel und Hölle.

Wir folgen mehreren Handlungssträngen: Aziraphale (Erziraphael ) und Crowley, die beide die Welt eigentlich ganz nett finden. Den Vier Reitern der Apokalypse, die heutzutage allerdings eher mit Motorrädern unterwegs sind. Als echte Hell’s Angels quasi. Man folge Warlock, der gar nicht der Antichrist ist. Und man folgt dem echten Antichristen sowie seiner Gang von Freunden und ihren kindlichen Abenteuern. Dazwischen gibts noch Anathema Device (Ururur-Enkel-irgendwas Nachkomme von Agnes Nutter) und Newt Pulsifer, der als Witchfinder-Army-Private einen Drill erlebt, den er so nicht erwartet hatte. Alles für sich genommen unterhaltsam und am Ende zusammengeführt zu einem großen Big Bang (oder auch nicht Bang).

Das Buch selbst war für mich eine Herausforderung. Ich lese viel Englisch, spreche Englisch fließend, aber der Satzbau, die Wortspiele, da musste ich einige Male einen Satz öfters lesen, um ihn wirklich zu verstehen. Trotzdem ein wahrer Genuss. Und trotz sprachlicher Herausforderung fand ich einige für mich tolle Stellen, die wohl in meine Zitatesammlung wandern werden und die ich nicht vorenthalten möchte.

„That’s sexism, that is. Going around giving people girly presents just because they’re a girl.“

That was what some humans found hard to understand. Hell wasn’t a major reservoir of evil, any more than Heaven, in Crowley’s opinion, was a fountain of goodness; they were just sides in the great cosmic chess game. Where you found the real McCoy, the real grace and the real heart-stopping evil, was right inside the human mind.

She read about New Women. She hadn’t ever realized that she’d been an Old Woman, but after some thought she decided that titles like that were all one with the romance and the knitting and the orgasms, and the really important thing to be was yourself, just as hard as you could.

So the odds against him were higher than a vanload of hippies on a blotterful of Owlsley’s Old Original*

*Owlsley Stanley siehe hier (ich lach mich immer noch schlapp über diesen Satz)

Jedenfalls hat mich das Buch nicht hängen lassen und ich glaube, ich werde es noch öfters lesen, einfach weil es einfach brilliant ist. Es gibt übrigens jede Menge Fußnoten, die genauso erheiternd sind wie der Rest der Geschichte, allerdings manchmal etwas zu sehr den Lesefluss stören.

Fazit:

Hat definitiv das Zeug auf die Liste der „All Time Favourites“ einzuziehen. Amüsant war es auf jedenfall und sprachlich einfach ein Genuss.

Bewertung

 

2 Comments

  1. „Good Omens“ ist eines meiner absoluten Lieblingsbücher – ich habe es sooft gelesen, dass es schon halb auseinander fällt. Und ich bilde mir ein, dass mein Englisch durch die Original-Lektüre ein klein wenig besser geworden ist – das dauernde Nachschlagen und Grübeln beim ersten Mal hat sich also gelohnt 😀

    Liebe Grüße,
    Myriam

    1. Ich liebe Terry Pratchetts Bücher und es ist echt unfassbar, dass mir dieses hier so lange durch die Lappen gegangen ist. Es ist einfach herrlich. Ich freu mich drauf, es bald wieder zu lesen. Man entdeckt ja so oft bei mehrmaligem Lesen immer wieder neue Dinge, die einem vorher entgangen sind.
      LG
      Grit

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